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wiki:wanderschmied

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wiki:wanderschmied [2026/03/19 07:13] – [Literatur] Norbert Lüdtkewiki:wanderschmied [2026/03/19 18:20] (aktuell) – [Schmied, Eisenstab und Seherin] Norbert Lüdtke
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 Die Weissagung einer //vǫlva// bildet das erste Lied //Voluspá// der älteren Edda. Die //Edda// ((''Friedrich Wilhelm Bergmann''\\ //Die Edda-Gedichte der nordischen Heldensage//\\ Strassburg, Trübner, 1879; SnE 1998, I, 24-5))) berichtet, dass die Jötin ''Griðr'' (Gridur, Greth, Graith > `Gier, Heftigkeit´) dem ''Thor'' Þórr Waffen lieh, nämlich den Stab //Gríðarvǫlr//, den Stärke[[gürtel|gürtel]] und die Eisenhandschuhe. Damit wurde die Völva zur Mittlerin zwischen Schmied und Kämpfer, zwischen Welt und Gott, übernahm also die Rolle des [[wiki:trickster|Trickster]] ((''Margaret Clunies Ross, B. K. Martin''\\ //Narrative Structure and Intertextuality in Snorri’s Edda: The example of Þórr’s encounter with Geirrøðr//\\ In: Lindow et al. 1986, 56-72, hier: 61, 67)). //[[wiki:Vilsinn|Vilsinn]] vǫlu// ist eine Umschreibung (kenning) für `Trollfrau´. Die Weissagung einer //vǫlva// bildet das erste Lied //Voluspá// der älteren Edda. Die //Edda// ((''Friedrich Wilhelm Bergmann''\\ //Die Edda-Gedichte der nordischen Heldensage//\\ Strassburg, Trübner, 1879; SnE 1998, I, 24-5))) berichtet, dass die Jötin ''Griðr'' (Gridur, Greth, Graith > `Gier, Heftigkeit´) dem ''Thor'' Þórr Waffen lieh, nämlich den Stab //Gríðarvǫlr//, den Stärke[[gürtel|gürtel]] und die Eisenhandschuhe. Damit wurde die Völva zur Mittlerin zwischen Schmied und Kämpfer, zwischen Welt und Gott, übernahm also die Rolle des [[wiki:trickster|Trickster]] ((''Margaret Clunies Ross, B. K. Martin''\\ //Narrative Structure and Intertextuality in Snorri’s Edda: The example of Þórr’s encounter with Geirrøðr//\\ In: Lindow et al. 1986, 56-72, hier: 61, 67)). //[[wiki:Vilsinn|Vilsinn]] vǫlu// ist eine Umschreibung (kenning) für `Trollfrau´.
  
-Der eiserne Stab //Vǫlr// konnte profan Bratspieß (iron spit) über dem Feuer, Webschwert (weaving sword). Als Waffe verlieh er physische Macht, als Völva-Stab (→ [[voelva#Vǫlr, Gandr, Wand & Seiðr|Vǫlr, Gandr, Wand & Seiðr]]) spirituelle Macht. Solche Stäbe waren 60-90 cm lang und bestanden aus Raseneisenerz. Bratspieße waren ebenso tordiert (in sich verdreht) wie Völva-Stäbe, jedoch weisen letztere noch korbähnliche Aufsätze aus. Schmiede und Seherin waren gleichermaßen Außenseiter und zuständig für Transformation; die "wandernde Seherin" ist als Figur dem Wanderschmied vergleichbar.+Der eiserne Stab //Vǫlr// konnte profan Bratspieß (iron spit) über dem Feuer, Webschwert (weaving sword). Als Waffe verlieh er physische Macht, als Völva-Stab (→ [[voelva#Vǫlr, Gandr, Wand & Seiðr|Vǫlr, Gandr, Wand & Seiðr]]) spirituelle Macht. Solche Stäbe waren 60-90 cm lang und wurden aus Raseneisenerz hergestellt. Bratspieße waren ebenso tordiert (das Verwinden mehrerer Rundstäbe) wie Völva-Stäbe, jedoch weisen letztere noch korbähnliche Aufsätze aus. Schmiede und Seherin waren gleichermaßen Außenseiter und zuständig für Transformation; die "wandernde Seherin" ist als Figur dem Wanderschmied vergleichbar.
  
 Dieselben Elemente - Mann, Frau, Eisenstab - finden sich in besonders aufwändigen Steingräbern ((''Leszek Gardeła''\\ //The Good, the Bad and the Undead New Thoughts on the Ambivalence of Old Norse Sorcery//\\ in: Ney, Agneta. 2009. Á austrvega : Saga and East Scandinavia; preprint papers of the 14th International Saga Conference, Uppsala, 9th-15th August 2009. 1 1. Gävle: Gävle University Press)), während sich die Ambivalenz `guter´ und `böser´ Zauberkraft in zwei unterschiedlichen Bestattungsformen spiegelt ((''Nedoma, Robert''\\ //Die bildlichen und schriftlichen Denkmäler der Wielandsage.//\\ Göppinger Arbeiten zur Germanistik 490. Göppingen 1988: Kümmerle. zu Ardre  VII   S. 27-31.\\ ''Oehrl, Sigmund''\\ //Bildliche Darstellungen vom Schmied Wieland und ein unerwarteter Auftritt in Walhall.//\\ In A. Pesch, R. Blankenfeldt (Hg.): Goldsmith Mysteries. The Elusive Gold Smithies of the North. Papers Presented at the Workshop Organized by the Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA), Schleswig 2012, 20./21. Juni 2011. Schriften des Archäologischen Landesmuseums. Ergänzungsreihe 8. Neumünster: ZBSA, 279–335; Ardre VIII S. 284–287\\ ''Reymann, A.''\\ //Schwangere, Scharfrichter und Schamanen//.\\ Überlegungen zur archäologischen Nachweisbarkeit in vermeintlich normierten Sonderbestattungen.\\ Spezialisierungen in der Bronzezeit: Archäologische Quellen und Modelle. Beiträge zur Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Bronzezeit auf der 83. Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e. V. 18.-21. September 2016 in Münster, 4, 2020, 147)). Dieselben Elemente - Mann, Frau, Eisenstab - finden sich in besonders aufwändigen Steingräbern ((''Leszek Gardeła''\\ //The Good, the Bad and the Undead New Thoughts on the Ambivalence of Old Norse Sorcery//\\ in: Ney, Agneta. 2009. Á austrvega : Saga and East Scandinavia; preprint papers of the 14th International Saga Conference, Uppsala, 9th-15th August 2009. 1 1. Gävle: Gävle University Press)), während sich die Ambivalenz `guter´ und `böser´ Zauberkraft in zwei unterschiedlichen Bestattungsformen spiegelt ((''Nedoma, Robert''\\ //Die bildlichen und schriftlichen Denkmäler der Wielandsage.//\\ Göppinger Arbeiten zur Germanistik 490. Göppingen 1988: Kümmerle. zu Ardre  VII   S. 27-31.\\ ''Oehrl, Sigmund''\\ //Bildliche Darstellungen vom Schmied Wieland und ein unerwarteter Auftritt in Walhall.//\\ In A. Pesch, R. Blankenfeldt (Hg.): Goldsmith Mysteries. The Elusive Gold Smithies of the North. Papers Presented at the Workshop Organized by the Centre for Baltic and Scandinavian Archaeology (ZBSA), Schleswig 2012, 20./21. Juni 2011. Schriften des Archäologischen Landesmuseums. Ergänzungsreihe 8. Neumünster: ZBSA, 279–335; Ardre VIII S. 284–287\\ ''Reymann, A.''\\ //Schwangere, Scharfrichter und Schamanen//.\\ Überlegungen zur archäologischen Nachweisbarkeit in vermeintlich normierten Sonderbestattungen.\\ Spezialisierungen in der Bronzezeit: Archäologische Quellen und Modelle. Beiträge zur Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Bronzezeit auf der 83. Tagung des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung e. V. 18.-21. September 2016 in Münster, 4, 2020, 147)).
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   * ''Preßlinger, H., Eibner, C.''\\ //Phosphorlegierter keltischer Stahl – hart, zäh und korrosionsbeständig//\\ BHM Berg-und Hüttenmännische Monatshefte 154.11 (2009): 534. [[https://doi.org/10.1007/s00501-009-0512-8|DOI]]   * ''Preßlinger, H., Eibner, C.''\\ //Phosphorlegierter keltischer Stahl – hart, zäh und korrosionsbeständig//\\ BHM Berg-und Hüttenmännische Monatshefte 154.11 (2009): 534. [[https://doi.org/10.1007/s00501-009-0512-8|DOI]]
   * ''M. J. Rowlands''\\ //The Archaeological Interpretation of Prehistoric Metalworking//\\ World Archaeology, 3.2 (1971) 210-224  [[https://www.jstor.org/stable/124073|Online]]    * ''M. J. Rowlands''\\ //The Archaeological Interpretation of Prehistoric Metalworking//\\ World Archaeology, 3.2 (1971) 210-224  [[https://www.jstor.org/stable/124073|Online]] 
-  * ''Ruben, Walter''\\ //Eisenschmiede und Dämonen in Indien//.\\ Ergebnisse einer Reise, die mit Unterstützung des Forschungs-Institutes für Kulturmorphologie in Frankfurt a.M. und des Türkischen Unterrichtsministerium durchgeführt wurde.\\ Mit 60 Abb. auf 33 Taf. XX, 306 S. Leiden 1939: Brill. +  * ''Rudolf Schlögl''\\ //Europas Frühe Neuzeit. Geschichte und Theorie einer Gesellschaft auf dem Weg in die Moderne.//\\ Göttingen 2025: Wallstein, S. 643 ff.:\\ Schlögl betrachtet die funktionale Differenzierung durch technische Entwicklung im [[transport|Transport]]wesen hinsichtlich Reisegeschwindigkeit und Kosten [[system|systemtheoretisch]].
-  * ''Rudolf Schlögl''\\ //Europas Frühe Neuzeit. Geschichte und Theorie einer Gesellschaft auf dem Weg in die Moderne.//\\ Göttingen 2025: Wallstein, S. 643 ff.:\\ Schlögl betrachtet die funktionale Differenzierung durch technische Entwicklung im Transportwesen hinsichtlich Reisegeschwindigkeit und Kosten [[system|systemtheoretisch]].+
   * ''Sörman, Anna''\\ //Gjutningens arenor: metallhantverkets rumsliga, sociala och politiska organisation i södra Skandinavien under bronsåldern.//\\ Diss. 317 S. Institutionen för arkeologi och antikens kultur, Stockholms universitet, 2018. [[https://www.academia.edu/download/59009506/Anna_Sorman_monografi_webboptimerad20190423-92575-1wk1jms.pdf|Online]]   * ''Sörman, Anna''\\ //Gjutningens arenor: metallhantverkets rumsliga, sociala och politiska organisation i södra Skandinavien under bronsåldern.//\\ Diss. 317 S. Institutionen för arkeologi och antikens kultur, Stockholms universitet, 2018. [[https://www.academia.edu/download/59009506/Anna_Sorman_monografi_webboptimerad20190423-92575-1wk1jms.pdf|Online]]
   * ''Turck, Rouven''\\ //Die Metalle zur Zeit des Jungneolithikums in Mitteleuropa. Eine sozialarchäologische Untersuchung.//\\ Literaturverz. S. [105] - 118, Magisterarbeit, Universität Heidelberg 2008; Bonn 2010: Habelt. [[https://digitale-objekte.hbz-nrw.de/storage/2010/12/25/file_9/4003828.pdf|Inhalt]]    * ''Turck, Rouven''\\ //Die Metalle zur Zeit des Jungneolithikums in Mitteleuropa. Eine sozialarchäologische Untersuchung.//\\ Literaturverz. S. [105] - 118, Magisterarbeit, Universität Heidelberg 2008; Bonn 2010: Habelt. [[https://digitale-objekte.hbz-nrw.de/storage/2010/12/25/file_9/4003828.pdf|Inhalt]] 
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   * ''Siegbert Hummel''\\ //Der Göttliche Schmied in Tibet//\\ Folklore Studies, 19 (1960) 251-272.   * ''Siegbert Hummel''\\ //Der Göttliche Schmied in Tibet//\\ Folklore Studies, 19 (1960) 251-272.
   * ''W. M. Flinders Petrie''\\ ''The Metals in Egypt''\\ Ancient Egypt 75 (1915) 12--23\\ S. 23: //>>The name of the Chalybes from which the Greeks took their name for the metal is apparently Semitic in origin. It seems obviously connected with the Arabic halaby, a tinker; and with the well known mutation of h and s we can hardly refuse to see in this the soluby or steel worker of Arabia. This word solb for steel is Semitic, as it is clearly derived from iron being the strongest material; solb is loins, the strongest part; salib is firm or hard; salebah, solidity; solb, steel; soluby a steel worker; halaby a tinker; Chalybes, the iron workers; Chalups, iron; and our own word chalybeate ends the chain. Whether the distinction between sideros and khalups was that of iron and steel, deserves to be considered, certainly the Assyrian tools found in Egypt are mostly mild steel, as they can be permanently magnetised.<<//    * ''W. M. Flinders Petrie''\\ ''The Metals in Egypt''\\ Ancient Egypt 75 (1915) 12--23\\ S. 23: //>>The name of the Chalybes from which the Greeks took their name for the metal is apparently Semitic in origin. It seems obviously connected with the Arabic halaby, a tinker; and with the well known mutation of h and s we can hardly refuse to see in this the soluby or steel worker of Arabia. This word solb for steel is Semitic, as it is clearly derived from iron being the strongest material; solb is loins, the strongest part; salib is firm or hard; salebah, solidity; solb, steel; soluby a steel worker; halaby a tinker; Chalybes, the iron workers; Chalups, iron; and our own word chalybeate ends the chain. Whether the distinction between sideros and khalups was that of iron and steel, deserves to be considered, certainly the Assyrian tools found in Egypt are mostly mild steel, as they can be permanently magnetised.<<// 
-  * ''Benjamin W. Roberts'', ''Christopher P. Thornton'' (Hg.)\\ //Archaeometallurgy in Global Perspective. Methods and Syntheses.//\\ XIII, 868 S. Springer 2014 [[https://doi.org/10.1007/978-1-4614-9017-3|DOI]] +  * ''Benjamin W. Roberts'', ''Christopher P. Thornton'' (Hg.)\\ //Archaeometallurgy in Global Perspective. Methods and Syntheses.//\\ XIII, 868 S. Springer 2014 [[https://doi.org/10.1007/978-1-4614-9017-3|DOI]] 
 +  * ''Ruben, Walter''\\ //Eisenschmiede und Dämonen in Indien//.\\ Ergebnisse einer Reise, die mit Unterstützung des Forschungs-Institutes für Kulturmorphologie in Frankfurt a.M. und des Türkischen Unterrichtsministerium durchgeführt wurde.\\ Mit 60 Abb. auf 33 Taf. XX, 306 S. Leiden 1939: Brill.
   * ''Streck, Bernhard''\\ //Die Halab. Zigeuner am Nil.//\\ (=Sudanesische Marginalien, 4) 411 S. Wuppertal 1996: Hammer (Edition Trickster)\\ Halab ist hier zum einen Oberbegriff für peripatetische Gruppen, aber auch im engeren Sinn ins Niltal eingewanderte Araber. Streck rekonstruiert, die //Ghajar// genannten Halab im Sudan entstammten dem Zigeunertum der europäischen Teile des osmanischen Reichs, während die //Bahlawan// das orientalische Zigeunertum repräsentierten. Alle diese Gruppen bilden eine Unterschicht (Paria), deren Erwerbsnischen Handel und die handwerkliche Arbeit mit Schrott umfasst, wobei Reparieren im Vordergrund steht, aber auch das Grob- und Blechschmieden bis hin zu konstruktivem Metallbau.   * ''Streck, Bernhard''\\ //Die Halab. Zigeuner am Nil.//\\ (=Sudanesische Marginalien, 4) 411 S. Wuppertal 1996: Hammer (Edition Trickster)\\ Halab ist hier zum einen Oberbegriff für peripatetische Gruppen, aber auch im engeren Sinn ins Niltal eingewanderte Araber. Streck rekonstruiert, die //Ghajar// genannten Halab im Sudan entstammten dem Zigeunertum der europäischen Teile des osmanischen Reichs, während die //Bahlawan// das orientalische Zigeunertum repräsentierten. Alle diese Gruppen bilden eine Unterschicht (Paria), deren Erwerbsnischen Handel und die handwerkliche Arbeit mit Schrott umfasst, wobei Reparieren im Vordergrund steht, aber auch das Grob- und Blechschmieden bis hin zu konstruktivem Metallbau.
     * Rezension von Kurt Beck, Anthropos, 93.1-3 (1998) 286–288. [[https://www.jstor.org/stable/40465847|Online]]     * Rezension von Kurt Beck, Anthropos, 93.1-3 (1998) 286–288. [[https://www.jstor.org/stable/40465847|Online]]
   * ''Walker, John''\\ //The gypsies of modern Egypt.//\\ The Muslim World 23.3 (1933): 285-289. [[https://doi.org/10.1111/j.1478-1913.1933.tb00259.x|DOI]]\\ "//Ghugar//" als Schmiede   * ''Walker, John''\\ //The gypsies of modern Egypt.//\\ The Muslim World 23.3 (1933): 285-289. [[https://doi.org/10.1111/j.1478-1913.1933.tb00259.x|DOI]]\\ "//Ghugar//" als Schmiede
  
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