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Inhaltsverzeichnis
Übersichtsseite Reisekunde
Im Unterschied zur Reisekunst umfasst eine Reisekunde das primär nützliche Wissen und Können, also technische und handwerkliche Anleitungen zum Reisen, die jede Reise erfordert. Sie wird überwiegend durch Übung, also Unterwegs-Sein, erlernt.
Unterwegs zu sein ist eine Tätigkeit, die von außen nicht zu erkennen ist und die sich zusammensetzt aus einer Kette von Handlungen, die durch wiederholtes Fortgehen und Ankommen gekennzeichnet ist. Dieser Zustand ist ein Fließgleichgewicht, eine beständige Unbeständigkeit, weder sichtbar noch greifbar.
Sichtbar ist in dieser Phase nur der Fremde als jemand, der kommt und geht. Dessen Antwort nach dem Woher und dem Wohin erlauben eine Kategorisierung von außen, etwa als 'Reisender' im Deutschen, Traveler im Englischen, Voyageuer im Französischen usw., wobei jeder Begriff nicht nur eine andere Vorstellung aufruft, sondern auch den Zeitläuften unterliegt.
- Liste der Reisenden im Sprachvergleich
- Liste der Reisenden in Antike und Mittelalter
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Trotz all dieser Variablen besteht kultur- und sprachübergreifend ein gemeinsames Vorverständnis des Phänomens 'Unterwegs-Sein'. Es wäre die Aufgabe einer Reisekunde, die zugrundeliegenden Konstanten herauszuarbeiten. ['Reisen' wird hier im selben Sinne als Generikum verwendet.]
Perspektiven einer Reisekunde
Grundbedürfnisse im Alltag unterwegs
Eine „Reisekunde“ sollte zuerst ansetzen am Greifbaren und Sichtbaren des zu bewältigenden Reisealltags, also bei Grundbedürfnissen:
- Handwerk des Reisens, u.a.:
Reisende zwischen Herkunftsgemeinschaft und Gesellschaft
Sie sollte zudem am Reisenden selber ansetzen und dessen Spannungsverhältnis zur Herkunftsgemeinschaft und zur Gesellschaft, in der er sich bewegt. Beide machen sich einen Begriff von ihm:
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- Balconing und Liste der Weniger-Reisen-Reisestile
In der Begegnung kristallisieren sich Figuren heraus, die durch das Unterwegs-Sein bedingt sind und mit denen Reisende verbunden sind:
- Übersichtsseite Figuren, Typen & Rollen
Individuelle Voraussetzungen: Spannungsfelder
- Anywheres und Somewheres
- Philobatie und Oknophilie
- Reiselust und Reiseleid
Rekonstruktion aus dem Bild der Reise
Eine Reisekunde kann auch ansetzen am Bild der Reise. Dies entsteht jedoch erst nach der Reise und es ist gesellschaftlich überformt:
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- Apodemik und Hodoeporicon
- Reiseberichte
Epistola, Essay, Oratio, Quaestiones, Tabula, Tractatus - Reiseführer und Länderkunde: Ratgeber, Reisehandbücher
- Pilgerführer: Notitiae, Mirabilia, Indulgentiae, Thesaurus Peregrinantium
- Reisesammlungen
engl. Collections of Voyages and Travels, Travel Collections; franz. Recueil, Compilations des récits géographiques; niederl. reiscollectie; ital. compilazione storico-geografica, lat. Itinera collecta im Unterschied zu Itinera singularia; Collectiones Peregrinationum- Thematische Literaturlisten
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- Die äußere Form der individuellen Reise
- Die Innenwelt beim Reisen
- Die vergebliche Gestaltung der Reise
- Die Rekonstruktion der Reise
Das Ideal in der Kunst des Reisens
Ein Idealbild, dem die wenigsten Reisenden gerecht werden können, entwirft die Kunst des Reisens, engl. art of travel, franz. arts de voyager:
- Arte del Navegar
- Arte Peregrinandi
- Oditologie, auch Hoditologie, → vestibule des voyageurs
Ein Handwerk ohne künstlerischen Anspruch ist möglich, eine Kunst ohne handwerklichen Anspruch dagegen nicht.
Theoretische Konstruktionen
Eine „Reisekunde“ kann konstruiert werden, beispielsweise assoziativ, sprachlich oder systemtheoretisch:
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- Unterwegs-Sein als Handlungskreis
- Der Alltag unterwegs als Subsystem im Handlungskreis
- Navigation als Subsystem im Handlungskreis
- Zielsystem: Die Frage nach Sinn und Zweck
- Bedingungen und Folgen: Das Bild der Reise
- Organisationssysteme: Die Frage nach dem Wie?
- Sachsysteme: Die Frage nach dem Womit?
- Personale Systeme: Die Frage mit Wem?
