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wiki:reisekleidung

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wiki:reisekleidung [2025/08/22 05:08] – [Materialien] Norbert Lüdtkewiki:reisekleidung [2026/04/15 16:08] (aktuell) – ↷ Links angepasst, weil Seiten im Wiki verschoben wurden 144.76.32.189
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-Unter Reisekleidung werden nachfolgend solche Begriffe verstanden, die im Unterwegs-Sein eine spezifische  Funktion aufweisen, etwa +Unter Reisekleidung werden nachfolgend solche Begriffe verstanden, die unterwegs eine spezifische  Funktion aufweisen, etwa 
   * als besonderer Schutz gegen Wetter (Kälte, Regen, Sonne, Staub, Wind) und [[wiki:klima|Klima]];   * als besonderer Schutz gegen Wetter (Kälte, Regen, Sonne, Staub, Wind) und [[wiki:klima|Klima]];
-  * für besondere Formen, etwa als Alpinist in der [[wiki:bergwelt|Bergwelt]], als Jäger im [[wiki:bush|bush]], [[wiki:pilger|Pilger]], Reiter, Segler, Wasserwanderer ...;+  * für besondere Formen, etwa als Alpinist in der [[wiki:bergwelt|Bergwelt]], als Jäger im [[wiki:bush|bush]], [[wiki:pilger|Pilger]], Reiter, Segler, Wasserwanderer ... ([[Technical Wear|Technical Wear]]);
   * durch eine besondere Begrifflichkeit, etwa im [[wiki:jargon|Jargon]] des [[wiki:fahrendes_volk|Fahrenden Volkes]];   * durch eine besondere Begrifflichkeit, etwa im [[wiki:jargon|Jargon]] des [[wiki:fahrendes_volk|Fahrenden Volkes]];
-  * durch ihre Funktion als [[wiki:Distinktionsmerkmale|Distinktionsmerkmal]] oder zur Camouflage.+  * durch ihre Funktion als [[wiki:Distinktionsmerkmale|Distinktionsmerkmal]] ([[wiki:literaturliste_reisebilder_ikonographie|ikonisches Attribut]]) oder  
 +  * zur Camouflage.
  
  
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   * ''Egg, Markus'', ''Konrad Spindler'', ''Roswitha Goedecker-Ciolek ''\\ //Kleidung und Ausrüstung der kupferzeitlichen Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen.//\\ X, 262 S. Ill. 22 Tafeln, 12 Beilagen. Mainz 2009: Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. [[http://digitale-objekte.hbz-nrw.de/storage/2010/02/20/file_36/3673454.pdf|Inhalt]]    * ''Egg, Markus'', ''Konrad Spindler'', ''Roswitha Goedecker-Ciolek ''\\ //Kleidung und Ausrüstung der kupferzeitlichen Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen.//\\ X, 262 S. Ill. 22 Tafeln, 12 Beilagen. Mainz 2009: Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. [[http://digitale-objekte.hbz-nrw.de/storage/2010/02/20/file_36/3673454.pdf|Inhalt]] 
-  * ''J. Wininger''\\ //Die Bekleidung des Eismannes und die Anfänge der Weberei nördlich der Alpen//\\  The Man in the Ice.\\ Veröffentlichung des Forschungsinstitutes für Alpine Vorzeit der Universität Innsbruck 2, 1995, 119 ff.))+  * ''J. Wininger''\\ //Die Bekleidung des Eismannes und die Anfänge der Weberei nördlich der Alpen//\\  The Man in the Ice.\\ Veröffentlichung des Forschungsinstitutes für Alpine Vorzeit der Universität Innsbruck 2, 1995, 119 ff.
  
 ==== Ethnic Dress ==== ==== Ethnic Dress ====
  
 Manche Kleidungsstücke haben sich unter besonderen (klimatischen) Bedingungen so bewährt, dass sie im Laufe der Jahrhunderte zur perfekten Kleidung bei den dort lebenden Volksgruppen wurden und erst durch [[wiki:reisende|Reisende]] zu uns gelangten, beispielsweise: Manche Kleidungsstücke haben sich unter besonderen (klimatischen) Bedingungen so bewährt, dass sie im Laufe der Jahrhunderte zur perfekten Kleidung bei den dort lebenden Volksgruppen wurden und erst durch [[wiki:reisende|Reisende]] zu uns gelangten, beispielsweise:
-  * **[[wiki:anorak|Anorak]]**\\ Ein Begriff der grönländischen Eskimo, zu Beginn des [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhunderts]] in Europa zuerst erwähnt.+  * **[[wiki:anorak|Anorak]]**\\ Ein Begriff der grönländischen Eskimo, zu Beginn des [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhunderts]] in Europa zuerst erwähnt.
   * **Bandana**\\ Von Sanskrit बन्धन bandhana `binden´, ursprünglich ein funktionelles Halstuch in Dreiecksform etwa zum Schutz vor Staub in trockenen Gebieten.   * **Bandana**\\ Von Sanskrit बन्धन bandhana `binden´, ursprünglich ein funktionelles Halstuch in Dreiecksform etwa zum Schutz vor Staub in trockenen Gebieten.
   * **Chullo**\\ Die aus (Alpaca-)Wolle gestrickte bunte Mütze mit Ohrbedeckung soll seit Jahrtausenden in den Anden getragen worden sein.   * **Chullo**\\ Die aus (Alpaca-)Wolle gestrickte bunte Mütze mit Ohrbedeckung soll seit Jahrtausenden in den Anden getragen worden sein.
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   * **Plaid**\\ Aus dem Gälischen plaide ((von gälisch Gaelic //peall// `sheepskin´ (lat. pellis)\\ ''Theroux, Alexander''\\ //Plaid.//\\ The Yale Review 86.3 (1998) 33-48)), ins Englische als Bezeichnung für einen großkarierten Überwurf (Schulterdecke) der schottischen Hochlandtracht ((''Caldwell, David H.''\\ //The Origins of Plaid Wearing.//\\ Scottish Historical Review 100 (2021) 437-454 [[https://doi.org/10.3366/shr.2021.0539|DOI]])) aus Wolle z.B. 1703: //»When they Travel on Foot the Plaid is tied on the breast with a Bodkin of Bone or Wood (just as the Spina wore by the Germans according to the description of C. Tacitus)«// ((''Martin, Martin''\\ //A Description of the Western Islands of Scotland ...//\\  London 1703: A. Bell)), davon übertragen auf eine Reisedecke: //»Die meisten Reisenden blieben sitzen, in Plaids und Mäntel wohl eingehüllt...«// ((''Arthur Schnitzler''\\ //Der blinde Geronimo und sein Bruder//. (1900) )) und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in viele europäische Sprachen übernommen, auch russisch плед.   * **Plaid**\\ Aus dem Gälischen plaide ((von gälisch Gaelic //peall// `sheepskin´ (lat. pellis)\\ ''Theroux, Alexander''\\ //Plaid.//\\ The Yale Review 86.3 (1998) 33-48)), ins Englische als Bezeichnung für einen großkarierten Überwurf (Schulterdecke) der schottischen Hochlandtracht ((''Caldwell, David H.''\\ //The Origins of Plaid Wearing.//\\ Scottish Historical Review 100 (2021) 437-454 [[https://doi.org/10.3366/shr.2021.0539|DOI]])) aus Wolle z.B. 1703: //»When they Travel on Foot the Plaid is tied on the breast with a Bodkin of Bone or Wood (just as the Spina wore by the Germans according to the description of C. Tacitus)«// ((''Martin, Martin''\\ //A Description of the Western Islands of Scotland ...//\\  London 1703: A. Bell)), davon übertragen auf eine Reisedecke: //»Die meisten Reisenden blieben sitzen, in Plaids und Mäntel wohl eingehüllt...«// ((''Arthur Schnitzler''\\ //Der blinde Geronimo und sein Bruder//. (1900) )) und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in viele europäische Sprachen übernommen, auch russisch плед.
   * **[[wiki:Poncho|Poncho]]**   * **[[wiki:Poncho|Poncho]]**
-  * **Schal**\\ über englisches //shawl// aus dem persischen شال šāl, ab dem [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]] aus Kaschmir nach [[wiki:europa|Europa]] importiert.+  * **Schal**\\ über englisches //shawl// aus dem persischen شال šāl, ab dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]] aus Kaschmir nach [[wiki:europa|Europa]] importiert.
  
 ===== Kleidungsstücke ===== ===== Kleidungsstücke =====
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 ==== Jacken und Mäntel in Europa ==== ==== Jacken und Mäntel in Europa ====
  
-  * Die **Capa** oder Cappa war ursprünglich ein langes ärmelloses Schlupfkleid aus Wolle als Überwurf zum Wetterschutz bei Reisen. Sie stammt aus dem Mittelalter, war aber besonders in Spanien noch im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 16. Jahrhundert|16.]] und [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]] verbreitet und wird als Umhang von besonderen Gruppen bis heute verwendet.+  * Die **Capa** oder Cappa war ursprünglich ein langes ärmelloses Schlupfkleid aus Wolle als Überwurf zum Wetterschutz bei Reisen. Sie stammt aus dem Mittelalter, war aber besonders in Spanien noch im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 16. Jahrhundert|16.]] und [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]] verbreitet und wird als Umhang von besonderen Gruppen bis heute verwendet.
   * **Gugl**, ein Kittel mit Kapuze für die Arbeit im Freien   * **Gugl**, ein Kittel mit Kapuze für die Arbeit im Freien
   * **[[wiki:Kapuzenmantel|Kapuzenmantel]]**   * **[[wiki:Kapuzenmantel|Kapuzenmantel]]**
-  * **Kleppermantel**\\ 1920 entwickelte der Schneidermeister ''Johann Klepper'' in Rosenheim einen wasserdichten Baumwollmantel mit einer gestrichenen Gummischicht, der 780 Gramm wog und besonders reiß- und abriebfest war. Dieser Mntel wurde bis 1969 gefertigt und zuletzt noch einmal 1997. → [[http://www.kleppermuseum.de/der-klepper-mantel23072013.html|Kleppermuseum]]+  * **Kleppermantel**\\ 1920 entwickelte der Schneidermeister ''Johann Klepper'' in Rosenheim einen wasserdichten Baumwollmantel mit einer gestrichenen Gummischicht, der 780 Gramm wog und besonders reiß- und abriebfest war. Dieser Mantel wurde bis 1969 gefertigt und zuletzt noch einmal 1997. → [[http://www.kleppermuseum.de/der-klepper-mantel23072013.html|Kleppermuseum]]
   * **[[wiki:Kotze|Kotze]]**\\ ponchoartiger Überhang, insbesondere für Jäger.     * **[[wiki:Kotze|Kotze]]**\\ ponchoartiger Überhang, insbesondere für Jäger.  
   * **Loden(-joppe, -hut, ...)**   * **Loden(-joppe, -hut, ...)**
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   * **Deerstalker**\\ Die Mütze, die jeder mit dem Bild von Sherlock Holmes verbindet, ist - der Name sagt es -, ein Kleidungsstück für die Jagd mit breiten Krempen vorn und hinten sowie der herunterklappbaren Ohrbedeckung.   * **Deerstalker**\\ Die Mütze, die jeder mit dem Bild von Sherlock Holmes verbindet, ist - der Name sagt es -, ein Kleidungsstück für die Jagd mit breiten Krempen vorn und hinten sowie der herunterklappbaren Ohrbedeckung.
   * **Petasos** (griech. Antike) ((''Rolf Hurschmann''\\ //Petasos//\\ In: Der Neue Pauly (DNP). Enzyklopädie der Antike\\ Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 660)) > Attribut der [[wiki:reisegoetter|Reisegötter]]   * **Petasos** (griech. Antike) ((''Rolf Hurschmann''\\ //Petasos//\\ In: Der Neue Pauly (DNP). Enzyklopädie der Antike\\ Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 660)) > Attribut der [[wiki:reisegoetter|Reisegötter]]
-  * Die ''Stormy Kromer Cap'' erfand ''Ida Kromer'' (1877–1960) 1903 für ihren Mann ''George „Stormy“ Kromer'' (1976--1970). 1919 gründeten sie die Fabrik, die diese Kappe bis heute herstellt. Im Mittleren Westen der USA ist sie bei Anglern, Jägern, Kanuten ... beliebt, da deren Ohrenband herabklappbar ist und mit einer Schnur festgeknotet ist. Sie sitzt windsicher und wärmt. ''Elmer Fudd'', der tolpatschige der Jäger in den Comics mit ''Bugs Bunny'' trägt eine solche Mütze.+  * Die ''Stormy Kromer Cap'' erfand ''Ida Kromer'' (1877–1960) 1903 für ihren Mann ''George „Stormy“ Kromer'' (1976--1970). 1919 gründeten sie die Fabrik, die diese Kappe bis heute herstellt. Im Mittleren Westen der USA ist sie bei Anglern, Jägern, Kanuten ... beliebt, da deren Ohrenband herabklappbar ist und mit einer Schnur festgeknotet ist. Sie sitzt windsicher und wärmt. ''Elmer Fudd'', der tolpatschige Jäger in den Comics mit ''Bugs Bunny'' trägt eine solche Mütze.
   * **Südwester** > Attribut der Fischer und Schiffer an Nord- und Ostsee\\ Ein Hut aus Öltuch mit breiter Krempe bis über die Schulter zum Ableiten des Regens, auch bei Seglern.    * **Südwester** > Attribut der Fischer und Schiffer an Nord- und Ostsee\\ Ein Hut aus Öltuch mit breiter Krempe bis über die Schulter zum Ableiten des Regens, auch bei Seglern. 
   * **[[wiki:tropenhelm|Tropenhelm]]**   * **[[wiki:tropenhelm|Tropenhelm]]**
-  * **Uschanka** (russisch ушанка) von russisch у́ши uschi ‚Ohren‘ ist eine Kopfbedeckung, die seitliche Klappen hat, die nach oben aufgeschlagen sindbei Bedarf jedoch herabgeklappt werden können.+  * **Uschanka** (russisch ушанка) von russisch у́ши uschi ‚Ohren‘ ist eine Kopfbedeckung mit seitlichen Klappen  die nach oben aufgeschlagen sind und bei Bedarf heruntergeklappt werden können.
  
 ==== Fußbekleidung ====  ==== Fußbekleidung ==== 
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 ===== Kluft ===== ===== Kluft =====
  
-Die **Kluft** kennzeichnet durch bestimmte Kleidungsstücke eine besondere Gruppe. Zuerst im Rotwelschen des [[wiki:fahrendes_volk|Fahrenden Volkes]] als //Klabot// im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]], über //Claffot// im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 16. Jahrhundert|16. Jahrhundert]] zu //Klofft//, //Klifft//, //Kluft// im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]]. Studenten und Soldaten nutzten den Begriff ab dem [[wiki:reisegenerationen#18. Jahrhundert|18. Jahrhundert]]. +Die **Kluft** kennzeichnet durch bestimmte Kleidungsstücke eine besondere Gruppe. Zuerst im Rotwelschen des [[wiki:fahrendes_volk|Fahrenden Volkes]] als //Klabot// im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]], über //Claffot// im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 16. Jahrhundert|16. Jahrhundert]] zu //Klofft//, //Klifft//, //Kluft// im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]]. Studenten und Soldaten nutzten den Begriff ab dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#18. Jahrhundert|18. Jahrhundert]]. 
  
 Der Ursprung ist ungeklärt, möglicherweise aus hebräisch ḥalīfā ‘Kleid’ oder qālaf ‘schälen’, qelīfā ‘Schale’, da im [[wiki:rotwelsch|Rotwelschen ]] `Schale´ den Anzug bezeichnet. ((„Kluft“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/Kluft#2, abgerufen am 26.05.2023.)) Der Ursprung ist ungeklärt, möglicherweise aus hebräisch ḥalīfā ‘Kleid’ oder qālaf ‘schälen’, qelīfā ‘Schale’, da im [[wiki:rotwelsch|Rotwelschen ]] `Schale´ den Anzug bezeichnet. ((„Kluft“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/Kluft#2, abgerufen am 26.05.2023.))
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   * **dem Stenz**,\\ einem Wanderstab, oft ein Knotenstock   * **dem Stenz**,\\ einem Wanderstab, oft ein Knotenstock
  
-→ [[wiki:ausstellungsliste_vagabunden_walz|Ausstellungsliste Vagabunden & Walz]]\\  +→ [[wiki:ausstellungsliste_vagabunden_walz|Ausstellungsliste Vagabunden & Walz]]
-→ [[wiki:kuenstlerreisen|Künstlerreisen]]\\ +
 → [[wiki:literaturliste_fahrendes_volk|Literaturliste Fahrendes Volk]]\\  → [[wiki:literaturliste_fahrendes_volk|Literaturliste Fahrendes Volk]]\\ 
 → [[wiki:gesellenwanderung|Gesellenwanderung]]\\  → [[wiki:gesellenwanderung|Gesellenwanderung]]\\ 
-→ [[wiki:reisekleidung#Die Kluft wandernder Handwerksgesellen|Die Kluft wandernder Handwerksgesellen]]\\  
 → [[wiki:walz|Die Ritter der Landstraße]]\\  → [[wiki:walz|Die Ritter der Landstraße]]\\ 
 → [[wiki:fussreisen#Auf der Walz|Auf der Walz]]\\  → [[wiki:fussreisen#Auf der Walz|Auf der Walz]]\\ 
-→ [[wiki:liste_wanderarbeiter|Wanderarbeiter]]\\ +→ [[wiki:liste_wanderhandwerker|Wanderarbeiter]]\\ 
 → [[wiki:wanderbursche|Wanderbursche]]\\  → [[wiki:wanderbursche|Wanderbursche]]\\ 
 ==== Der Fußwanderer 1828 ==== ==== Der Fußwanderer 1828 ====
  
   * ''Berndt, Johann Christian Gottlieb''\\ //Wegweiser durch das Sudeten-Gebirge.//\\ Breslau 1828: Grüson u. Comp. VIII, 712 S., 1 Falttafel. [[https://books.google.de/books?id=xKL-h0SF2ykC&hl=de&pg=PP5#v=onepage&q&f=false|Online]].\\ Darin die Vorbereitung zur Reise (Zeit, Plan, Dauer, Gesellschaft, Reiseart, [[wiki:reisegepaeck|Reisegepäck]], [[wiki:reisekleidung|Reisekleidung]] ) S. 3-15 und die Organisation der Reise (Tagesordnung, Marschart, [[wiki:fuehrer|Führer]], Benehmen, Reise ins hohe Gebirge, Reisenoth) S. 15-29, hier ein Auszug:    * ''Berndt, Johann Christian Gottlieb''\\ //Wegweiser durch das Sudeten-Gebirge.//\\ Breslau 1828: Grüson u. Comp. VIII, 712 S., 1 Falttafel. [[https://books.google.de/books?id=xKL-h0SF2ykC&hl=de&pg=PP5#v=onepage&q&f=false|Online]].\\ Darin die Vorbereitung zur Reise (Zeit, Plan, Dauer, Gesellschaft, Reiseart, [[wiki:reisegepaeck|Reisegepäck]], [[wiki:reisekleidung|Reisekleidung]] ) S. 3-15 und die Organisation der Reise (Tagesordnung, Marschart, [[wiki:fuehrer|Führer]], Benehmen, Reise ins hohe Gebirge, Reisenoth) S. 15-29, hier ein Auszug: 
-Da **der Körper des Fußwanderers**, soll er gesund bleiben, durch nichts eingeengt, noch weniger gepreßt werden darf: so muß die Kleidung bequem weit seyn; da fie ferner durch Sonne, Staub, Regen und täglichen Gebrauch schnell abgenutzt wird: so wird man mit Ausnahme der Fußbekleidung nur das Älteste und Schlechteste aus seinem Kleidervorrathe wählen; die Natur nimmt ja einen schlechten Rock nicht übel, und um in den [[wiki:baederreise|Bädern]] Staat zu  machen, reist kein ächter Sudetenwanderer.+Da **der Körper des Fußwanderers**, soll er gesund bleiben, durch nichts eingeengt, noch weniger gepreßt werden darf: so muß die Kleidung bequem weit seyn; da sie ferner durch Sonne, Staub, Regen und täglichen Gebrauch schnell abgenutzt wird: so wird man mit Ausnahme der Fußbekleidung nur das Älteste und Schlechteste aus seinem Kleidervorrathe wählen; die Natur nimmt ja einen schlechten Rock nicht übel, und um in den [[wiki:baederreise|Bädern]] Staat zu  machen, reist kein ächter Sudetenwanderer.
  
 Zur **Hauptbedeckung** wählt man eine beliebige Mütze, welche das Wasser nicht leicht durchläßt, einen großen Schirm hat und so weit ist, daß sie bequem über die Ohren gezogen werden kann, wenn es regnet oder stürmt.  Zur **Hauptbedeckung** wählt man eine beliebige Mütze, welche das Wasser nicht leicht durchläßt, einen großen Schirm hat und so weit ist, daß sie bequem über die Ohren gezogen werden kann, wenn es regnet oder stürmt. 
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 **Unterleib und Beine** verhüllt eine lange, bis an die Knöchel reichende Hose von ungebleichter Leinwand, ähnlichem Sommerzeuge oder auch Tuch, mit Seiten- und Uhrtasche, hinlänglich weit um den Leib, enger um die Beine, damit sie durch Pludern oder Reiben im Gehen nicht hindert, besonders wenn es stürmt.\\ Sie wird von einem Hosenträger von Strippen festgehalten; denn ein solcher hält besser und dehnt sich weniger als ein lederner, welcher vom Schweiße reichlich gedrängt bald zu lang und gar zermürbt wird.\\ Ein Schnallengurt an der Hose ist sehr zuträglich, weil man bei vollem Magen oder Milzstechen den Unterleib durch Zusammenziehen vor einem Bruche schützen kann. Auf kothigem und nassem Wege wird die Hose in die Stiefeln gesteckt.\\ Wer an eine Unterhose gewohnt ist, mag sie tragen, aber an den Knöcheln nur lose binden; wer dergleichen nicht zu tragen pflegt, darf keinen Nachtheil für seine Gesundheit fürchten.  **Unterleib und Beine** verhüllt eine lange, bis an die Knöchel reichende Hose von ungebleichter Leinwand, ähnlichem Sommerzeuge oder auch Tuch, mit Seiten- und Uhrtasche, hinlänglich weit um den Leib, enger um die Beine, damit sie durch Pludern oder Reiben im Gehen nicht hindert, besonders wenn es stürmt.\\ Sie wird von einem Hosenträger von Strippen festgehalten; denn ein solcher hält besser und dehnt sich weniger als ein lederner, welcher vom Schweiße reichlich gedrängt bald zu lang und gar zermürbt wird.\\ Ein Schnallengurt an der Hose ist sehr zuträglich, weil man bei vollem Magen oder Milzstechen den Unterleib durch Zusammenziehen vor einem Bruche schützen kann. Auf kothigem und nassem Wege wird die Hose in die Stiefeln gesteckt.\\ Wer an eine Unterhose gewohnt ist, mag sie tragen, aber an den Knöcheln nur lose binden; wer dergleichen nicht zu tragen pflegt, darf keinen Nachtheil für seine Gesundheit fürchten. 
  
-Für die **Füße** wird am allerbesten durch Schweinsblasen, die mit der inwendigen Seite an den Fuß kommen, und darüber geschlagene Fußlappen gesorgt. Wer diese nicht gewohnt ist, nimmt baumwollene Soden. Diese werden umgewendet, auf der inwendigen Seite mit Talg eingerieben und höchstens nur lose gebunden; jeden Morgen werden sie weich gerieben, abermals mit Talg eingerieben, und nicht eher gewechselt, bis sie Löcher haben, dann aber  auch sofort, sonst werden die Füße wund. Das tägliche Wechseln der Socken taugt eben so wenig, als weite, die sich in Falten legen und Blasen drücken.+Für die **Füße** wird am allerbesten durch Schweinsblasen, die mit der inwendigen Seite an den Fuß kommen, und darüber geschlagene Fußlappen gesorgt. Wer diese nicht gewohnt ist, nimmt baumwollene Socken. Diese werden umgewendet, auf der inwendigen Seite mit Talg eingerieben und höchstens nur lose gebunden; jeden Morgen werden sie weich gerieben, abermals mit Talg eingerieben, und nicht eher gewechselt, bis sie Löcher haben, dann aber  auch sofort, sonst werden die Füße wund. Das tägliche Wechseln der Socken taugt eben so wenig, als weite, die sich in Falten legen und Blasen drücken.
  
-Die beste **äußere Fußbekleidung** sind Halb- (nicht Schnür-)stiefeln, bereits ausgetreten, nur so weit, daß sie nicht drücken, dauerhaft gearbeitet, mit starken breiten benagelten Sohlen und niedrigen breiten benagelten Absätzen, auf beiden Füßen anziehbar. Sie werden täglich mit Öel, Fett, Fischthran oder zur Noth mit zerriebener Kohle und geschmolzenem Talg eingerieben, damit sie stets gefügig bleiben.\\ Die gewöhnlichen niedlichen Modestiefeln taugen deshalb zur Reise nichts, weil sie an den Seiten leicht brechen, sich wegen der spitzigen Absaße schief treten und dann eine Pein für den Wanderer werden. Schuhe mit und ohne Kamaschen sind zwar leichter, lassen aber Nässe und Sand zu leicht ein und verderben dadurch die Füße; auch treten sich die Kamaschenriemen zu schnell durch und schlottern dann hindernd um die Füße. Wer indeß doch Kamaschen tragen will, befestige diese, mit Weglassung des Riemens, mittels Schnallen oder Knöpfe an die Schuhe. +Die beste **äußere Fußbekleidung** sind Halb- (nicht Schnür-)stiefeln, bereits ausgetreten, nur so weit, daß sie nicht drücken, dauerhaft gearbeitet, mit starken breiten benagelten Sohlen und niedrigen breiten benagelten Absätzen, auf beiden Füßen anziehbar. Sie werden täglich mit Öel, Fett, Fischthran oder zur Noth mit zerriebener Kohle und geschmolzenem Talg eingerieben, damit sie stets gefügig bleiben.\\ Die gewöhnlichen niedlichen Modestiefeln taugen deshalb zur Reise nichts, weil sie an den Seiten leicht brechen, sich wegen der spitzigen Absätze schief treten und dann eine Pein für den Wanderer werden. Schuhe mit und ohne Kamaschen sind zwar leichter, lassen aber Nässe und Sand zu leicht ein und verderben dadurch die Füße; auch treten sich die Kamaschenriemen zu schnell durch und schlottern dann hindernd um die Füße. Wer indeß doch Kamaschen tragen will, befestige diese, mit Weglassung des Riemens, mittels Schnallen oder Knöpfe an die Schuhe. 
  
-Den **Oberleib** die bekleidet eine Jacke, ein Frack oder ein kurzer Ueberrock mit Brust- und Hintertaschen, bis an den Hals zuknöpfbar und hinlänglich weit. Ein zu langer Ueberrock schlägt beim Gehen in die Beine, zieht beim Regen Wasser und wird so zur Last.\\ Die Hand trägt einen festen Krückenstock mit eiserner Spitze.+Den **Oberleib** bekleidet eine Jacke, ein Frack oder ein kurzer Ueberrock mit Brust- und Hintertaschen, bis an den Hals zuknöpfbar und hinlänglich weit. Ein zu langer Ueberrock schlägt beim Gehen in die Beine, zieht beim Regen Wasser und wird so zur Last.\\ Die Hand trägt einen festen Krückenstock mit eiserner Spitze.
  
 So ausgerüstet tritt man die Reise an. So ausgerüstet tritt man die Reise an.
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 === Engländer auf dem Kontinent === === Engländer auf dem Kontinent ===
  
-  * ''Friedrich Gerstäcker''\\ //Reisende.//\\ Die Gartenlaube, 17-18 (1860) 267–270, 276–278 [[https://de.wikisource.org/wiki/Reisende|Online]]\\ »Diese Gattung von Albionskindern wird nur mit einem rotheingebundenen Murray (ihrem Koran), dann mit Plaid, Regenmantel und Mütze von leichtem carrirten Stoff getroffen. Eine solche Mütze ist nämlich zu einer Reise nach dem Continent unentbehrlich, und so wenig Mr. Jones daran denken würde, sich mit einer solchen Bedeckung in the hearing of St. Paul’s sehen zu lassen, ebenso wenig möchte er ohne eine solche den Rhein befahren oder sich in einen deutschen Waggon setzen.«+  * ''Friedrich Gerstäcker''\\ //Reisende.//\\ Die Gartenlaube, 17-18 (1860) 267–270, 276–278 [[https://de.wikisource.org/wiki/Reisende|Online]]\\ //»Diese Gattung von Albionskindern wird nur mit einem rotheingebundenen Murray (ihrem Koran), dann mit Plaid, Regenmantel und Mütze von leichtem carrirten Stoff getroffen. Eine solche Mütze ist nämlich zu einer Reise nach dem Continent unentbehrlich, und so wenig Mr. Jones daran denken würde, sich mit einer solchen Bedeckung in the hearing of St. Paul’s sehen zu lassen, ebenso wenig möchte er ohne eine solche den Rhein befahren oder sich in einen deutschen Waggon setzen.«//
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   * **Desert Boots**,\\ knöchelhohe Stiefeletten mit dicken Kreppsohlen, nach dem Vorbild der   * **Desert Boots**,\\ knöchelhohe Stiefeletten mit dicken Kreppsohlen, nach dem Vorbild der
     * //»Vellies«//, Velskoen (afrikaans), die sich in den Burenkriegen des 19. Jahrhunderts bewährten.     * //»Vellies«//, Velskoen (afrikaans), die sich in den Burenkriegen des 19. Jahrhunderts bewährten.
-    * //Velskoen// aus rohem Ochsen- oder Elefantenleder wurden bereits im frühen [[wiki:reisegenerationen#18. Jahrhundert|18. Jahrhundert]] von den Khoikhoi und den Treckburen verwendet. ((''Kruger, Darrell Peter''\\ //Colonial Natal, 1838 to 1880: The Making of a South African Settlementsystem.//\\ Volumes I and II) Diss. Louisiana State University 1994 LSU Historical Dissertations and Theses 5809, hier S. 154-155  [[https://digitalcommons.lsu.edu/gradschool_disstheses/5809 |Online]].\\ s. ''Lubbe'' 1970.))+    * //Velskoen// aus rohem Ochsen- oder Elefantenleder wurden bereits im frühen [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#18. Jahrhundert|18. Jahrhundert]] von den Khoikhoi und den Treckburen verwendet. ((''Kruger, Darrell Peter''\\ //Colonial Natal, 1838 to 1880: The Making of a South African Settlementsystem.//\\ Volumes I and II) Diss. Louisiana State University 1994 LSU Historical Dissertations and Theses 5809, hier S. 154-155  [[https://digitalcommons.lsu.edu/gradschool_disstheses/5809 |Online]].\\ s. ''Lubbe'' 1970.))
   * **Bandanna** (Sanskrit बन्धन bandhana),\\ ein Halstuch, das als Staubschutz bis über die Nase gezogen wird oder den Schweiß aufnimmt.   * **Bandanna** (Sanskrit बन्धन bandhana),\\ ein Halstuch, das als Staubschutz bis über die Nase gezogen wird oder den Schweiß aufnimmt.
   * **Buschhut** oder //Krempenhut//,\\ meist aus Leder oder waxed Canvas, mit breiter abstehender Krempe, also schattenspendend und Regen ablenkend. Im Unterschied zu Panamahut, Strohhut, Salacot kann der Krempenhut gefaltet eingesteckt werden.   * **Buschhut** oder //Krempenhut//,\\ meist aus Leder oder waxed Canvas, mit breiter abstehender Krempe, also schattenspendend und Regen ablenkend. Im Unterschied zu Panamahut, Strohhut, Salacot kann der Krempenhut gefaltet eingesteckt werden.
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 ===== Materialien ===== ===== Materialien =====
  
-Leichte Materialien aus Kunstfasern bieten Dornen und Insekten wenig Widerstand. Früher und auch heute noch im [[wiki:bush|bush]] sind Leder oder feste Leinenstoffe die bessere Wahl. Wenn es warm sein sollte, gab es Wolle und Cord statt Fleece. Auch die Jeans der Cowboys und [[wiki:waldlaeufer|Waldläufer]] wurden im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] aus Canvas hergestellt, darüber Chaps (»Lederstrumpf«) als eine Art von langen Gamaschen mit [[wiki:guertel|Gürtel]] zum Schutz im dornigen Gestrüpp.+Leichte Materialien aus Kunstfasern bieten Dornen und Insekten wenig Widerstand. Früher und auch heute noch im [[wiki:bush|bush]] sind Leder oder feste Leinenstoffe die bessere Wahl. Wenn es warm sein sollte, gab es Wolle und Cord statt Fleece. Auch die Jeans der Cowboys und [[wiki:waldlaeufer|Waldläufer]] wurden im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] aus Canvas hergestellt, darüber Chaps (»Lederstrumpf«) als eine Art von langen Gamaschen mit [[wiki:guertel|Gürtel]] zum Schutz im dornigen Gestrüpp.
  
 Historisch findet sich der Bedarf nach einem besonders widerstandsfähigen Tuch zuerst in der Schifffahrt beim Segeltuch und beim Biwakieren mit einem Zelttuch, davon dann übertragen auf robuste, wetterfeste Kleidung und Ausrüstungsteile wie etwa [[wiki:guertel|Gürtel]] oder [[wiki:rucksack|Rucksack]].\\ Die Begriffsvielfalt im Bereich der Textilien wurzelt u.a. in der Faserart (Hanf, Leinen aus Flachs, Baumwolle, Wolle, Haare, Kunstfasern), in der Webtechnik nach der Bindung zwischen Kett- und Schussfäden (Leinwand (1:1), Köper (3:3) und Atlas (5:5) mit Unterarten wie z.B. Panama, Ripstop), in der »Ausrüstung« (gewachst, geölt, gummiert, beschichtet), nach Garnstärke und Fadendichte (Gramm pro Quadratmeter): Historisch findet sich der Bedarf nach einem besonders widerstandsfähigen Tuch zuerst in der Schifffahrt beim Segeltuch und beim Biwakieren mit einem Zelttuch, davon dann übertragen auf robuste, wetterfeste Kleidung und Ausrüstungsteile wie etwa [[wiki:guertel|Gürtel]] oder [[wiki:rucksack|Rucksack]].\\ Die Begriffsvielfalt im Bereich der Textilien wurzelt u.a. in der Faserart (Hanf, Leinen aus Flachs, Baumwolle, Wolle, Haare, Kunstfasern), in der Webtechnik nach der Bindung zwischen Kett- und Schussfäden (Leinwand (1:1), Köper (3:3) und Atlas (5:5) mit Unterarten wie z.B. Panama, Ripstop), in der »Ausrüstung« (gewachst, geölt, gummiert, beschichtet), nach Garnstärke und Fadendichte (Gramm pro Quadratmeter):
-  * **Canvas**\\ Abgeleitet aus der Bezeichnung für Hanf (lat. cannapaceus, gr. κάνναβις kannabis), dann im [[wiki:unterwegs_im_13._jahrhundert|13. Jahrhundert]] für Leinwand //Canevaz, Canevas// (angelsächsisch und altfranzösisch) und durch die britische [[wiki:expansion|Expansion]] weltweit als Canvas, so auch bei den ersten Jeans von ''Levi Strauss''+  * **Canvas**\\ Abgeleitet aus der Bezeichnung für Hanf (lat. cannapaceus, gr. κάνναβις kannabis), dann im [[wiki:unterwegs_im_13._jahrhundert|13. Jahrhundert]] für Leinwand //Canevaz, Canevas// (angelsächsisch und altfranzösisch) und durch die britische [[wiki:zeitleiste_expansionen|Expansion]] weltweit als Canvas, so auch bei den ersten Jeans von ''Levi Strauss''
-  * **Cord**\\ engl. corduroy, auch einfach »Manchester«, weil dort im [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]] entwickelt. Baumwolle mit Kett- und Schussfaden und einem dritten Florfaden.+  * **Cord**\\ engl. corduroy, auch einfach »Manchester«, weil dort im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]] entwickelt. Baumwolle mit Kett- und Schussfaden und einem dritten Florfaden.
   * **Duck**\\ sachlich identisch mit Canvas, aber abgeleitet vom niederländischen //zeildoek// `Segeltuch´ und darüber verwandt mit [[wiki:duct_tape|duct tape]].   * **Duck**\\ sachlich identisch mit Canvas, aber abgeleitet vom niederländischen //zeildoek// `Segeltuch´ und darüber verwandt mit [[wiki:duct_tape|duct tape]].
   * **Denim**\\ Baumwollgewebe aus Nîmes (de Nîmes, seit 1557) mit indigogefärbten Kettfäden und 400–500 g/qm bei üblichen Jeansstoffen und bis rund 700 g/qm bei Arbeitskleidung.   * **Denim**\\ Baumwollgewebe aus Nîmes (de Nîmes, seit 1557) mit indigogefärbten Kettfäden und 400–500 g/qm bei üblichen Jeansstoffen und bis rund 700 g/qm bei Arbeitskleidung.
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   * **Kautschuk**\\ Gummi elasticum (=Resina elastica) wird aus dem Milchsaft (Latex) von Kautschukpflanzen hergestellt und wird seit mehreren tausend Jahren zum Imprägnieren von Textilien und Behältern benutzt, so auch 1824 für den Mackintosh, einen Regenschutz, und für Gummistiefel.    * **Kautschuk**\\ Gummi elasticum (=Resina elastica) wird aus dem Milchsaft (Latex) von Kautschukpflanzen hergestellt und wird seit mehreren tausend Jahren zum Imprägnieren von Textilien und Behältern benutzt, so auch 1824 für den Mackintosh, einen Regenschutz, und für Gummistiefel. 
   * **[[wiki:khaki|Khaki]]**   * **[[wiki:khaki|Khaki]]**
-  * **Loden**\\ Ein köper- oder leinengewebter Wollstoff, der ab dem späten Mittelalter durch Walken und Schlagen zu einem wasser- und winddichten Tuch verfilzt wurde (ähnlich wie Düffel). Althochdeutsches //lodo//, //ludo// bezeichnete im [[wiki:reisegenerationen#9. und 10. Jahrhundert|10. Jahrhundert]] grobes Wollzeug und Mäntel, ähnlich altnordisches //loði// für einen zottigen Mantel und berührt sich dann mit dem Begriff [[wiki:kotze|Kotze]] für einen zottigen Umhang.+  * **Loden**\\ Ein köper- oder leinengewebter Wollstoff, der ab dem späten Mittelalter durch Walken und Schlagen zu einem wasser- und winddichten Tuch verfilzt wurde (ähnlich wie Düffel). Althochdeutsches //lodo//, //ludo// bezeichnete im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#9. und 10. Jahrhundert|10. Jahrhundert]] grobes Wollzeug und Mäntel, ähnlich altnordisches //loði// für einen zottigen Mantel und berührt sich dann mit dem Begriff [[wiki:kotze|Kotze]] für einen zottigen Umhang.
   * **Öltuch**   * **Öltuch**
     * Ursprünglich dicht gewebtes Leinentuch mit Öl (etwa Leinöl) und Wachs behandelt.      * Ursprünglich dicht gewebtes Leinentuch mit Öl (etwa Leinöl) und Wachs behandelt. 
-    * Kautschuk oder Guttapercha als imprägnierende Mittel ab Mitte des [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhunderts]].+    * Kautschuk oder Guttapercha als imprägnierende Mittel ab Mitte des [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhunderts]].
       * 1844 erhielt ''Charles Goodyear'' das Patent auf die Vulkanisation von Kautschuk und stellte damit synthetisch Gummi her.       * 1844 erhielt ''Charles Goodyear'' das Patent auf die Vulkanisation von Kautschuk und stellte damit synthetisch Gummi her.
-    * PVC und andere synthetische Kunststoffe im [[wiki:reisegenerationen#20. Jahrhundert|20. Jahrhundert]], also kein Ölzeug mehr im eigentlichen Sinne, indirekt jedoch, weil aus Erdöl erzeugt.+    * PVC und andere synthetische Kunststoffe im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#20. Jahrhundert|20. Jahrhundert]], also kein Ölzeug mehr im eigentlichen Sinne, indirekt jedoch, weil aus Erdöl erzeugt.
   * **Wachstaft**\\ Leinwand oder Taft (Seide in Leinenbindung) mit Wachsfirnis getränkt für Regenmäntel und dergleichen. Wachsfirnis bestand aus Leinöl, Kolophonium und Terpentin mit giftigen Bleiverbindungen (Mennige).   * **Wachstaft**\\ Leinwand oder Taft (Seide in Leinenbindung) mit Wachsfirnis getränkt für Regenmäntel und dergleichen. Wachsfirnis bestand aus Leinöl, Kolophonium und Terpentin mit giftigen Bleiverbindungen (Mennige).
  
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 ===== Verweise ===== ===== Verweise =====
  
-  * [[wiki:reisegepaeck|Reisegepäck]] in [[wiki:liste_zwillingsformeln|Zwillingsformeln]]+  * [[zeitleiste_reiseanleitungen|Reiseanleitungen]] enthalten oft auch Hinweise zur Reisekleidung 
 +  * [[wiki:reisegepaeck|Reisegepäck]] 
 +    * [[wiki:beutel|Beutel]] und [[wiki:sack|Sack]] 
 +    * [[wiki:gepaeck#Pack & Plunder|Pack & Plunder]]
     * [[wiki:sack_und_pack|Sack und Pack]]     * [[wiki:sack_und_pack|Sack und Pack]]
     * [[wiki:stock_und_hut|Stock und Hut]]     * [[wiki:stock_und_hut|Stock und Hut]]
     * [[wiki:stock_stab|Stab & Stöcke]]     * [[wiki:stock_stab|Stab & Stöcke]]
-  * [[wiki:gepaeck#Pack & Plunder|Plunder]] +  * [[wiki:liste_ikonographischen_attribute_reisens|Liste der ikonographischen Attribute des Reisens]]\\ Flügelschuhe, Flügelhelm, Jakobsmuschel am Hut ...
-  * [[wiki:beutel|Beutel]] und [[wiki:sack|Sack]] +
-  * [[wiki:liste_attribute_des_reisens|Liste der ikonographischen Attribute des Reisens]]\\ Flügelschuhe, Flügelhelm, Jakobsmuschel am Hut ...+
   * [[wiki:ausruestungskonzepte_us-army|Ausrüstungskonzepte der US-Army]]   * [[wiki:ausruestungskonzepte_us-army|Ausrüstungskonzepte der US-Army]]
 +  * [[https://www.deltaplus.eu|Katalog]] und technische Normen (international)
  
 ===== Literatur ===== ===== Literatur =====
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   * ''Peter Knötzele''\\ //Römische Schuhe. Luxus an den Füßen//\\ (=Limesmuseum Aalen, 59) 80 S. Bibliogr. S. 77--79. Stuttgart 2007: Theiss. [[https://d-nb.info/986248541/04|Inhalt]]   * ''Peter Knötzele''\\ //Römische Schuhe. Luxus an den Füßen//\\ (=Limesmuseum Aalen, 59) 80 S. Bibliogr. S. 77--79. Stuttgart 2007: Theiss. [[https://d-nb.info/986248541/04|Inhalt]]
   * ''Lubbe, Willem P.''; Leather Industries Research Institute\\ //The Story of the Velskoen.//\\ 61 S. Leernywerheid Navorsingsinstituut 1970   * ''Lubbe, Willem P.''; Leather Industries Research Institute\\ //The Story of the Velskoen.//\\ 61 S. Leernywerheid Navorsingsinstituut 1970
-  * ''Massiel Malagon-Mancebo''\\ Viking clothing & aesthetic & influence on Scandinavian Identity. Diss. Universidad de Granada o. J. 264 S. [[https://hdl.handle.net/10481/97725|Online]]+  * ''Massiel Malagon-Mancebo''\\ //Viking clothing & aesthetic & influence on Scandinavian Identity.//\\ Diss. Universidad de Granada o. J. 264 S. [[https://hdl.handle.net/10481/97725|Online]]
   * ''Julius Meurer''\\ //Katechismus für Bergsteiger, Gebirgstouristen, …//\\ Leipzig 1892: J. Weber. Kleidung S. 73−119\\ Der Autor beschreibt detailverliebt geeignete und ungeeignete Kleidung für Hochtouren in den [[wiki:bergwelt|Bergen]], beispielsweise den Lodenhut oder alternativ eine namenlose englische Kappe, die Kniehose als Oberbegriff unterschiedlicher Formen, den formlose Kamelhaarlodenmantel als Poncho bis zum Knie oder länger als Havelock, Blusen, Wollstoffe etc.   * ''Julius Meurer''\\ //Katechismus für Bergsteiger, Gebirgstouristen, …//\\ Leipzig 1892: J. Weber. Kleidung S. 73−119\\ Der Autor beschreibt detailverliebt geeignete und ungeeignete Kleidung für Hochtouren in den [[wiki:bergwelt|Bergen]], beispielsweise den Lodenhut oder alternativ eine namenlose englische Kappe, die Kniehose als Oberbegriff unterschiedlicher Formen, den formlose Kamelhaarlodenmantel als Poncho bis zum Knie oder länger als Havelock, Blusen, Wollstoffe etc.
   * ''O'Brien, Alden Swift Tullis''\\ //Don't leave home without it: travel clothing in America, 1850-1939.//\\ Diss. 126 S. M.A. Fashion Institute of Technology. Program in Museum Studies 1989   * ''O'Brien, Alden Swift Tullis''\\ //Don't leave home without it: travel clothing in America, 1850-1939.//\\ Diss. 126 S. M.A. Fashion Institute of Technology. Program in Museum Studies 1989
 +  * ''C. W. Pfeiffer''\\ //Ausrüstungsgegenstände für Touristen.//\\ 36 S. Frankfurt a.M. 1884: Mahlau & Waldschmidt
 +  * ''Andrew Popp'', ''Michael French''\\ //«Practically the Uniform of the Tribe»: Dress Codes Among Commercial Travelers//\\ Enterprise and Society 3 (2010) 437-467 
   * ''Anne Reichert''\\ //Von Kopf bis Fuß – gut behütet und beschuht in der Steinzeit. Rekonstruktion neolithischer Kopf- und Fußbekleidung und Trageversuche.//\\ Experimentelle Archäologie in Europa. Bilanz 2006. 5 (2006) 7–23.   * ''Anne Reichert''\\ //Von Kopf bis Fuß – gut behütet und beschuht in der Steinzeit. Rekonstruktion neolithischer Kopf- und Fußbekleidung und Trageversuche.//\\ Experimentelle Archäologie in Europa. Bilanz 2006. 5 (2006) 7–23.
   * ''Riello, Giorgio''\\ //The World in a Book: The Creation of the Global in Sixteenth-Century European Costume Books.//\\ Past & Present 242, Supplement 14 (2019) 281–317.   * ''Riello, Giorgio''\\ //The World in a Book: The Creation of the Global in Sixteenth-Century European Costume Books.//\\ Past & Present 242, Supplement 14 (2019) 281–317.
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   * ''Gunvor Ingstad Trætteberg'' [1897-1975]\\ //Skinnhyre og sjøklær, fiskerbondens utrustning på 1700- og 1800-tallet.//\\ 242 S. Bibliogr. S. 224-226. Oslo 1999: Landbruksforlaget\\ Veröffentlichung eines Manuskripts aus dem Archiv, das auf eine Recherche bei Fischern 1936 zurückgeht.   * ''Gunvor Ingstad Trætteberg'' [1897-1975]\\ //Skinnhyre og sjøklær, fiskerbondens utrustning på 1700- og 1800-tallet.//\\ 242 S. Bibliogr. S. 224-226. Oslo 1999: Landbruksforlaget\\ Veröffentlichung eines Manuskripts aus dem Archiv, das auf eine Recherche bei Fischern 1936 zurückgeht.
   * ''Vogler, H.''\\ //Textilveredlung in der Antike, Teil 2//\\ Textilveredlung 35.1-2 (2000) 28–33   * ''Vogler, H.''\\ //Textilveredlung in der Antike, Teil 2//\\ Textilveredlung 35.1-2 (2000) 28–33
 +  * ''Henri Weber''\\ //Die Vorschläge der bundesräthlichen Kommission betreffend militärische Fussbekleidung,//\\ vom fachmännischen Standpunkt aus ... kurz beleuchtet von Henri Weber ...\\ II, 34 S. Zürich 1883: S. C. Schmidt
 +
 +{{tag>Reisekunde Übersichtsseiten}} 
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