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Landnahme

Landnahme bezeichnet das Inbesitznehmen eines Landstrichs meist in Regionen, die entweder unbewohnt sind oder deren Bewohnern keine Vorstellung haben von einem individuellen Besitzrecht auf Land. Für den Landnehmenden verbinden sich dami Möglichkeitsräume und Hoffnungen, siehe Weites Land, für seine Herkunftsgemeinschaft wird er zum Auswanderer (→ Ausstellungsliste Auswanderer.

Damit verbunden sind besondere Figuren wie: Pioniere, Siedler, frontiersman, verbunden auch mit Missionaren, Trailmaker und Waldläufer.

Dieses Land zu begrenzen setzt Erkundung und Vermessung des Raumes voraus, weil das Hinterland meist unbekannt ist (engl. remote area) oder Zwischenraum zur Wildnis.

Landnahme als Makrophänomen setzt Expansion voraus und daraus folgend Siedlung. Die europäische Expansion folgte meist Küsten, dann Flüssen ins Hinterland. Die dabei gegründeten Stützpunkte dienen funktional als Hafen, Handelsposten, Versorgung und Festung zum Schutz derselben, vorrangig zum Sichern eines Handelsmonopols gegen europäische Konkurrenten.

Ältere Landnahmen sind beispielsweise:

Früheste Landnahmen der europäischen Expansion

Synopse zur europäischen Expansion

Spanien 1567: Landnahme

Der Spanier Miguel López de Legazpi (1502–1572) legte am 27. April 1565 auf Cebu an, zerstörte das Dorf von Rajah Tupas und gründete mit seinen Leuten die ersten spanischen Siedlungen auf den Philippinen, Villa del Santísimo Nombre de Jesús (Dorf im heiligen Namen Jesus) und Villa de San Miguel (Dorf des heiligen Michael). 1567 traf Verstärkung ein und errichtete den Hafen Fuerza de San Pedro.

Russland 1580: Landnahme

Der »Eroberer Sibiriens« Jermak Timofejewitsch (Ермак Тимофеевич, Ermak Timofeevič, Yermak um 1532 bis 1585) eroberte im Auftrag der Kaufmannfamilie Stroganoff das tatarische Khanat Sibir nachdem der Zar den Wilden Osten zur Kolonisation freigegeben hatte.

Jermak stammte aus einer Familie von Waldräubern und Flusspiraten und galt als Kosak.

Pelztierjäger erreichten 1648 Kap Dežnev als östlichsten Punkt.

England 1585–1590: Landnahme

Sir Walter Raleigh gründete die erste englische Kolonie auf amerikanischem Boden 1585, dann erneut 1587 unter Führung von John White auf Roanoke Island vor der Küste von North Carolina. 1590 legte das nächste Schiff an und fand die rund 115 Siedler nicht mehr vor, die Siedlung war vollständig geräumt. Das Rätsel ist bis heute ungelöst, Hypothesen gibt es viele.

Niederlande 1652: Landnahme

Es gab ab 1598 erste niederländische Faktoreien und Festungen an der afrikanischen Küste, die jedoch nicht als Kolonie angelegt waren.
Im März 1647 lief das niederländische Schiff Nieuwe Haerlem in der Tafelbucht Richtung Blouwbergstrand auf Grund. Der zweite Steuermann Leendert Janszen und sein Stellvertreter Matthys Proot warteten mit 60 Besatzungsmitgliedern auf die Flotte im kommenden Jahr. Bis dahin bauten sie die provisorische Festung Sandenburg, fischten, jagten, holten Pinguineier von Robben Island und legten einen Gemüsegarten an. Mit den Strandlopern, einem San-Volk, hielten sie friedlichen Kontakt. Im März 1648 erreichte die Rückkehrflotte mit zwölf Schiffen unter dem Kommando von Wollebrant Geleijnssen das Kap und blieb 18 Tage vor Ort. 1650 entschied die VOC, die „Kaapkolonie“ als Verpflegungsposten einzurichten. Jan van Riebeeck übernahm diesen Auftrag, wurde zum „Opperhoofd“ ernannt und verließ die Niederlande im Dezember 1651. 1652 legte er mit 90 Siedlern die erste Siedlung am Kap auf Dauer an mit dem Zweck, die Schiffe der VOC zu versorgen.