====== 1878 Rezension zu Kaltbrunner: Manuel du Voyageur ====== * Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin: Verhandlungen. 5. 1878 S. 270−281 [[https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb11371730?page=284|Online]] → 1878 Manuel du Voyageur in der [[zeitleiste_reiseanleitungen_19._jahrhundert|Zeitleiste der Reiseanleitungen des 19. Jahrhunderts]] ===== Literatur-Notizen ===== ==== 270 ==== D. KALTBRUNNER. //Manuel du Voyageur avec 280 figures et 24 planches.//\\ Zürich 1879. J. Wurster & Co. 8°. 762 pp. Das Jahr 1878 hat uns noch kurz vor seinem Ablauf mit einem literarischen Werke beschenkt, welches nicht nur in geographischen Kreisen, sondern noch über diese hinaus auf besondere Berücksichtigung rechnen darf und gerechte Freude hervorrufen wird. Denn wer empfände diese nicht bei einem Buche, welches man als ein Buch des gesunden Menschenverstands »sans phrase« bezeichnen kann? Ein solches ist das »Manuel du Voyageur« von D. Kaltbrunner, und die Schweizerische Literatur ist dadurch um eine Erscheinung bereichert worden, in welcher sich uns die Eigenthümlichkeit des Schweizer Nationalgeistes in besonders und ausschliesslich sympathischer Weise offenbart. Gern haben wir die Besprechung übernommen, selbst auf die Gefahr hin, räumlich die in diesen Blättern gewährten Grenzen zu überschreiten. Die Ansicht, dass die Wirkung des Buches sich weithin erstrecken wird, mag uns entschuldigen. Denn einmal greift dasselbe durch den Reichthum seines Inhalts an irgend einer Stelle in den geistigen Interessenkreis fast jedes Gebildeten ein, und fernerhin wirkt es in hohem Grade anziehend durch die Art der Behandlung, welche mehr reflectirende [[Erfahrung|Erfahrung]], als Gelehrsamkeit zum Ausdruck bringt. [[apodemik|Anleitungen für Reisen]] sind einem modernen Bedürfniss entsprungen. Der wissenschaftliche [[Reisende |Reisende]] der alten Schule verschaffte sich diese selber; denn er gehörte einer Zeit an, in welcher sich noch viele Disciplinen der Naturwissenschaft übersehen liessen, und ausserdem pflegte sich Niemand zu dem grossartigen und mühseligen Beruf zu drängen, der nicht das Zeug dazu in sich fühlte. In unseren Zeiten ist dies anders. Der Begriff des Gelehrten bedingt fast den des Specialisten; der Gelehrte also, welcher reisen und noch andere, als die Fächer seiner Wissenschaft berücksichtigen will, muss sich nach Winken von competenter Seite umsehn. Aber ausser dieser kleinen Gruppe reisen jetzt auch theils in Befriedigung eines unbestimmten inneren Dranges, theils in Ausübung eines Berufes, theils als unbewusste Opfer der Mode eine grosse Zahl von Menschen, die entweder selbst oder von denen Andre es möchten, dass ihre ortsverändernde Lebensweise zur Erweiterung unserer Erkenntniss beitrüge, und die aus diesem Grunde, nach Beendigung der [[Reisen|Reise]], das häufig erwünschtere Schweigen brechen. Wie dankenswerth also erscheint jeder Versuch, so viele disponible, aber regellos arbeitende Kräfte nutzbar zu machen, und ihnen die Punkte zu zeigen, wo sie anzusetzen und die Richtungen, in denen sie zu wirken haben. Wie schwierig aber auch erscheint ein solcher Versuch! - so ==== 271 ==== schwierig, dass es bisher für selbstverständlich galt, eine ganze Gruppe erfahrener Männer zur Ausführung desselben zu vereinigen. Im Einklang mit der Entwickelung ihres weltumspannenden Colonialreiches, waren die Engländer die ersten, welche im Jahre 1871 ein //„Manual of scientific enquiry"// herausgaben und es zunächst für die Träger von Englands Macht und Ruhm, für die Flotte bestimmten. Von gleichen Intentionen getragen, vereinigte der so vielseitig verdiente ''Neumayer'' 28 deutsche Gelehrte, welche in eben so vielen Abhandlungen ihre Rathschläge und Forderungen für wissenschaftliche Beobachtungen auf Reisen zusammenfassten. Auch die Pariser geographische Gesellschaft veröffentlichte fast zu derselben Zeit (1875) ihre //„Instructions"//, und in Italien erschienen die //„Istruzioni scientifiche per viaggiatori"//. Darnach möchte es fast überflüssig erscheinen, dass die Literatur einen neuen Zuwachs auf dem so vielseitig bearbeiteten Gebiete erhielte. Dies ist indessen nicht der Fall, und zwar aus dem Grunde nicht, weil, im Gegensatz zu den angeführten Publicationen, das Kaltbrunner'sche //„Manuel"// einen einzigen Verfasser hat. Und hierin liegt das Verdienst und die Berechtigung. Denn was von einem einzigen Menschen geschrieben ist, kann auch von einem einzigen Menschen verstanden werden; die nothwendige Beschränkung der an den Reisenden gestellten Anforderungen ergiebt sich daraus von selbst, und der wahre Satz, dass in der Beschränkung die Kunst liegt, erhält eine schlagende Bestätigung. Zwar besitzen wir das verdienstvolle Buch des ''Colonel J. R. Jackson'' //„What to observe"//, welches bereits im Jahre 1861 die 3. Auflage erlebt hat und welches sich selbst ein //„traveller's remembrancer"// nennt; dieses aber legt den Nachdruck mehr auf das Was, Kaltbrunner's //„Manuel"// mehr auf das Wie beobachtet werden soll. Jackson führt die Sentenz an: //„L'art d'observer est le seul moyen d'acquérir des connaissances utiles"//, und Kaltbrunner lässt seinen Philosophen sagen: //„Nous voyons en raison de ce que nous savons"//. Versetzen wir uns in die Lage Desjenigen, der bis dahin ohne Erfahrung im Begriff steht, eine Reise anzutreten, so zeigt sich zunächst, mit wie grossem Takt der Verfasser Alles das zusammengestellt hat, was zur allgemeinen Bildung des Reisenden gehört; und zwar geschieht dies in einer Weise, die den Leser ermuthigt, statt ihn abzuschrecken und zu verwirren. Denn die Darstellung ist so liebenswürdig, wie die Sprache, deren sie sich bedient, und dabei so gleichförmig, dass es trotz der bunten Mannigfaltigkeit der abzuhandelnden Gegenstände nicht möglich ist zu errathen, welches das Specialfach des Verfassers ist. Bei der Besprechung der einzelnen Disciplinen und der Angabe der Verhaltungsmassregeln ist neben dem, was zu thun ist, auch häufig das angegeben, was zu vermeiden ist. So wird der Reisende befähigt zu wissen, was er will; das „Manuel" setzt ihn überall auf die richtige Fährte, es der Arbeit und Intelligenz des angehenden Forschers überlassend, dieselbe weiter zu verfolgen. Der Verfasser wendet sich in der Vorrede mit grosser Bescheidenheit ==== 272 ==== weniger an die Reisenden von Beruf, als an die Dilettanten, an die Touristen und alle Diejenigen, für welche das Reisen nur eine nebensächliche Beschäftigung ist. Der leicht fassliche Ton des Buches macht es allerdings für diese geeignet, ohne dass die Bedeutung desselben für den wissenschaftlichen Reisenden dadurch gemindert würde. Denn für sein Specialfach bedarf der Gelehrte keines „Manuel", sondern nur für diejenigen Gebiete, auf denen er nicht zu Hause ist, und auf denen er, vermöge seiner geistigen Geschultheit − wir möchten sagen − einen erleuchteten Dilettantismus entfalten kann. Was der Verfasser hat thun können, um sein Buch nutzbringend zu machen, hat er gethan; aber eben weil es vornehmlich ein Buch der Erfahrung ist, so sind seiner Wirksamkeit die [[Grenzen |Grenzen]] gesteckt, welche das, jedem Menschen anhaftende Widerstreben: sich die Erfahrungen Anderer zu Nutze zu machen, aufrichtet. Um so mehr erscheint es als eine Pflicht der Besprechung, nachdem der Inhalt an der eigenen Erfahrung geprüft ist, das Buch allseitiger Berücksichtigung zu empfehlen. Die blosse Lectüre wird natürlich weder einen Reisenden noch einen Beobachter hervorbringen; zwischen dem behaglichen Studium des schön gedruckten Werkes und der rauhen Wirklichkeit liegt noch eine tiefe Kluft, und in praxi wird man bald erkennen, dass ein Reisender sich nicht so vielseitig bethätigen kann, wie ein „Manuel" es voraussetzen muss. Daraus aber entsteht für das Buch selbst kein Vorwurf; denn wenn dieses auf alle Widerwärtigkeiten und Hemmnisse Rücksicht nehmen wollte, die den Reisenden treffen können, so würde es über lauter „Wenn" und "Aber" seinen Zweck nicht erreichen. Der Inhalt zerfällt in die beiden Theile //„Préparation“// und //„Observations et Recherches"//, von denen der erstere als eine Einleitung zu dem letzteren angesehen werden muss. Der „Préparation" sind die ersten 127 Seiten, den „Observations et Recherches" die folgenden 625 Seiten gewidmet. Wie die Ueberschrift des Theiles I andeutet, beschäftigt sich derselbe mit den Vorbereitungen in der Heimath, sowohl bezüglich der zu beschaffenden Instrumente, wie der mit denselben vorzunehmenden Operationen und der Erwerbung gewisser unentbehrlicher Kenntnisse; er zerfällt in folgende Capitel: Etendue de la préparation. Qualités et aptitudes nécessaires au voyageur. Notions scientifiques. Connaissances pratiques. Photographie et dessin artistique. Dessin topographique. Connaissance des langues. Informations sur le pays. Equipement et matériel. Der hier angeführten Eintheilung entsprechend, schickt der Verfasser zunächst vorauf, dass, je vollständiger die Vorbereitung sei, desto anziehender sich auch die Reise gestalte, und dass er daher im Folgenden nach möglichster Vollständigkeit gestrebt habe. Es wird alsdann auf die Eigenschaften und Fähigkeiten hingewiesen, die jedem Reisenden unentbehrlich sind: nämlich, Talent und Gewohnheit der Naturbeobachtung, die Fähigkeit, den Dingen nachzuspüren (Entdeckungs- oder Forschungstrieb) und endlich gesunde Kritik. //„Ce qu'on veut savoir, il faut l'avoir appris, ce qu'on veut// ==== 273 ==== //pouvoir, il faut s'y être exercé. L'acquisition d'une aptitude ou d'une habitude exige, au début, toute notre attention et toute notre force de volonté, mais peu à peu la répétition du même acte le fait devenir tellement machinal, que nous l'accomplissons sans effort aucun et même sans en avoir conscience."// So vieles über die geistige Schulung; nicht minder treffend aber ist, was Herr Kaltbrunner über physische Leistungsfähigkeit und körperliches Trainiren sagt: //„Si vous ne savez rien endurer, toute votre bonne volonté, toutes vos bonnes intentions seront inutiles. Dans cette préparation physique préalable, c'est moins la vigueur musculaire, que l'endurance, la prolongation de l'effort. L'essentiel est de se mettre en état d'opposer une certaine résistance aux fatigues et aux intempéries. Il est du reste à remarquer ici, que les gens des villes supportent mieux qu'on ne le croirait les fatigues et les privations. Dans les pays où tout le monde est soldat, on a constaté que les citadins sont généralement moins éprouvés que les campagnards, dont la constitution robuste semblerait devoir offrir plus de résistance. En tout cas je dois vous mettre en garde contre l'excès. Ce n'est pas en vous épuisant par des marches ou par des jeûnes forcés, que vous vous préparerez à mieux supporter la fatigue et la faim. Au contraire, le corps doit toujours conserver des forces en réserve et une certaine élasticité, si l'on veut qu'il puisse se plier aux circonstances du moment."// Diesen Wahrheiten schliessen sich Regeln an über das Verhalten den Eingeborenen gegenüber, und enden mit dem Erfahrungssatz: //„Quoi que vous puissiez dire ou faire, vous arriverez difficilement à persuader les gens, que vous voyagez dans l'unique but de vous instruire.“// Das Capitel, //„Notions scientifiques"//, enthält die Ansichten des Verfassers über die Stellung, welche der Reisende der Wissenschaft gegenüber einzunehmen hat. Es wird darin Bezug genommen auf folgende Stelle aus einem Memoir ''Sir Richard Strachey'''s: //„Der Reisende ist der Pionier der Wissenschaft. Er bringt in allen vier Weltgegenden die Beobachtungen und Thatsachen zusammen, welche der Gelehrte zu Haus analysirt, vergleicht und in Beziehung setzt; er liefert dem letzteren die Mittel, Schlüsse und Hypothesen zu verificiren. Die Reisenden, welche den durch die Theilung der wissenschaftlichen Arbeit ihnen auferlegten Pflichten genügen wollen, bedürfen einer ausreichenden Unterweisung, um die der Beobachtung zu unterbreitenden Thatsachen nach Kategorien zu unterscheiden. Jugend, Gesundheit, Kraft sind kostbare Eigenschaften; aber es müssen sich Kenntnisse damit verbinden, damit der Forschungsreisende Nutzen stifte."// Hieran anknüpfend, erblickt der Verfasser unseres „Manuel" die Aufgabe des Reisenden in der Erfüllung einer doppelten Rolle. Der Reisende soll nämlich 1. beobachten und die dem besuchten Lande eigenthümlichen Thatsachen notiren, und 2. diejenigen Beobachtungen, welche anderwärts gemacht sind, auf das besuchte Land ausdehnen und die Vergleichung vornehmen. ==== 274 ==== Herr Kaltbrunner unterscheidet diese beiden Rollen durch die Namen //»voyageur-observant"// und //„observateur-voyageant"// und meint, dass man als Reisender das Ganze umfassen müsse und keinen Theil vernachlässigen dürfe, dass es dagegen dem Beobachter erlaubt sei, sich auf denjenigen Zweig zu beschränken, den er am besten beherrsche. Indessen giebt er selbst zu, dass die beiden Rollen sich nicht scharf von einander trennen lassen. Nach unserer Ansicht muss es jedem Reisenden überlassen bleiben, für sich selbst diese Grenze zu ziehen, denn sie ist für jedes Individuum eine andere, je nach der Anlage und der Hinneigung zur Universalität. Wir sind der Ueberzeugung, dass der Reisende nur wenige Disciplinen cultiviren kann, dass ihm aber die oberflächliche Kenntniss der übrigen Wissensgebiete nöthig ist, damit er jederzeit stärker bleibe, als die äusseren Eindrücke und keine der Thatsachen übersehe, aus denen sich die grossen Züge der geographischen Charakteristik zusammensetzen. Auch glauben wir in dieser Beziehung ganz im Einklang mit Herrn Kaltbrunner uns zu befinden, wenn wir sein „Manuel" als ein Buch für den „voyageur-observant" und nicht für den „observateur-voyageant" betrachten. Alles was in den >>Notions scientifiques" noch fernerhin gesagt wird, weist darauf hin, und wir greifen zum Beweise nur folgende Stelle heraus: //„Für die Botanik und Zoologie muss sich der Reisende die Fähigkeit erwerben, auf den ersten Blick eine Pflanze oder ein Thier zu erkennen. Seine Aufgabe ist es nicht, Raritäten zu sammeln, sondern die charakteristischen Pflanzen und Thiere, d. h. die am häufigsten auftretenden. Dasselbe gilt von den übrigen naturhistorischen Disciplinen."// Auf diesen //„ersten Blick"//, auf den //„coup d'oeil"//, wird der Nachdruck gelegt, der als eine Sache der Uebung und Gewohnheit bezeichnet wird. Fügen wir hinzu, dass auch die Fähigkeit, die dem „coup d'oeil" verdankten Eindrücke durch Beschreibung zu objectiviren, gleichfalls einer hohen Entwickelung durch die Praxis fähig ist. Diesen gewissermassen principiellen Auseinandersetzungen folgt das in mehrere Unterabtheilungen zerfallende Capitel der //„Connaissances pratiques"//, welches auf 84 Seiten eine Zusammenstellung der wichtigsten Reiseinstrumente, der Messungsmethoden und der Anwendung im Felde giebt. Vielleicht hat sich der Verfasser in seinem Wunsche, auch den, nur mit dürftigen Kenntnissen versehenen Leser und angehenden Reisenden möglichst unbefangen zu erhalten, d. h. ihn nicht durch zu minutiöse Auseinandersetzungen abzuschrecken, etwas zu weit treiben lassen; denn dass er eine andere, d. h. tiefer gehende Darstellung zu geben im Stande gewesen wäre, wenn er sie für zweckentsprechender gehalten hätte, versteht sich für uns von selbst. So gutmüthige und leistungsfähige Wesen, wie es nach der kurzen Beschreibung gefolgert werden möchte, sind die Präcisions-Instrumente wohl nicht. Es klingt sehr lieblich, wenn man liest (pag. 15): //„Chronomètre. Si l'on doit visiter des pays où la position géographique des lieux principaux n'est pas encore exactement déterminée, on fera bien de se munir d'un chronomètre réglé sur l'heure de l'observatoire d'où l'on veut compter les méridiens".// Und pag. 16:// „Baromètre anéroide. Cet// ==== 275 ==== //instrument nous fera le même usage qu'un baromètre ordinaire, sans en avoir la fragilité et les autres inconvénients".// Dass es in Wirklichkeit anders ist, ist eine Erfahrung, die keinem Reisenden erspart bleibt; auf pag. 157 wird denn auch nachträglich von den schädigenden Einflüssen gesprochen, denen das Chronometer ausgesetzt ist. Als Instrumente werden aufgeführt: Theodolit, Messtisch, Visir-Compass, Taschen-Compass, Chronometer, Thermometer, Aneroid, Cyanometer (zur Messung der Himmelsbläue), Feuchtigkeitsmesser (hygromètre und psychromètre), Thaumesser (drosomètre), Ozongehaltmesser, Elektrometer und Sismometer. Bei dieser Aufzählung fragt man sich, welche Gründe den Verfasser bestimmt haben, das Reiseinstrument par excellence, den Sextanten, fortzulassen? Denn die Handhabung des Theodoliten, wenn auch an sich bequemer, erfordert doch mindestens dieselbe Sorgfalt, wie der Sextant. Auch hätte das Kochthermometer neben dem Aneroid für Höhenmessungen nach unserer Ansicht eine Stelle verdient. An die „Instruments" schliessen sich die //„Méthodes"//, in denen elementare Winke über Kartenlesen, allgemeine Orientirung, genäherte Lage des Meridians, das Abstecken gerader Linien, das Schätzen und Messen von Entfernungen, das Entwerfen eines trigonometrischen Netzes, das Schätzen und Messen von Höhen und Abhängen gegeben werden. Hierdurch wird der Leser befähigt, die Angaben des folgenden Abschnitts: //„Ueber das Entwerfen einer Plankarte und die Messungen von Flächen"// auszuführen. Alle diese Auseinandersetzungen sind durch Karten, Zeichnungen und Diagramme auf das Trefflichste unterstützt. Unter dem Titel: //„Tracé de la méridienne“// und //„Détermination de la latitude et de la longitude"// werden einige mit Hülfe der Himmelskörper vorzunehmende Operationen besprochen. Die wenigen Seiten, die der Längen- und Breitenbestimmung gewidmet sind, können selbst bei der klaren Darstellung Kaltbrunner's nicht genügen für den angestrebten Zweck; denn dieser ist doch darin zu suchen, dass der Reisende befähigt wird, Länge und Breite wirklich zu bestimmen. Freilich wird auch die grösste Ausführlichkeit der theoretischen Auseinandersetzung den Anfänger nicht der Nothwendigkeit praktischer Unterweisung überheben, aber umgekehrt würde letztere allein doch eben so wenig genügen. Auch bleibt der Reisende im fremden Lande, namentlich wenn er lange nicht beobachtet hat, auf das „Manuel" als seinen einzigen Rathgeber angewiesen und wird von der daselbst ertheilten theoretischen Anleitung gleichzeitig eine Anlehnung an die einst praktisch durchgemachten Beobachtungsmethoden erwarten dürfen. Es hat noch jeder Reisende, der weite Züge durch unbekanntes Land machte, beklagt, wenn ihm die Mittel der Ortsbestimmung fehlten; denn die Mühe und Zeit, die später bei der Herstellung der Karte durch Combinationen und Muthmassungen über die wahrscheinliche Lage erfordert werden und schliesslich doch keine Sicherheit gewähren, sind grösser und unbefriedigender, als die von der directen und zuverlässigen Ortsbestim- ==== 276 ==== mung beanspruchten. Nach unserer Ansicht würde der Verfasser des „Manuel", ohne dem einheitlichen Charakter seines Buches zu nahe zu treten, bei der sicher zu erwartenden zweiten Auflage, den Titel der „Détermination de la latitude et de la longitude" erweitern dürfen. Bei den Ausführungen auf pag. 21, 22 des Titels: //„[[orientierung|Orientation]] par les astres"// scheint es zur Vermeidung falscher Vorstellungen doch erwünscht, eine Einschränkung eintreten zu lassen. //„On sait qu'à midi, l'ombre des objets se dirige vers le Nord si l'on est dans l'hémisphère septentrional, et vers le Sud si l'on est dans l'hémisphère méridional".// Dies ist für die Tropen nicht zu allen Zeiten zutreffend; z. B. im Juni unter 10° nördlicher Breite fällt der Schatten der Gegenstände am Mittag nach Süden und nicht nach Norden. Die daran angeschlossene Construction einer Sonnenuhr macht die unrichtige Unterstellung, dass die Aenderung des Azimutes der Sonne der Zeit proportional sei. Für Jedermann klar und verständlich sind dann die folgenden kurzen Angaben über //„Détermination des roches, des fossiles, des végétaux, des animaux" und die „Déterminations anthropométriques"//, welch' letztere durch musterhafte Zeichnungen der Schädel und Skelette erläutert werden; es werden dabei nur die leitenden Gesichtspunkte angegeben, die für die Ausführung des Theiles II, „Observations et Recherches", maassgebend sind. Den Schluss der „Méthodes" bilden die „Exercises", eine einzige Seite nur (pag. 96), der kein erfahrener Reisender seine Bewunderung vorenthalten wird; denn sie enthält goldene Wahrheiten. Die folgenden Capitel der //„Préparation"// sind namentlich wichtig durch den Nachdruck, der darin auf das Zeichnen, das artistische sowohl wie das topographische, gelegt wird. Ganz abgesehen davon, dass, wer zeichnet, auch besser sieht, und in Folge dessen auch besser beschreibt, wird das Interesse an einer Schilderung durch bildliche Darstellung ausserordentlich erhöht. Für die Zeichnungen des Reisenden muss jederzeit der Satz gelten, dass die Genauigkeit der künstlerischen Schönheit voranzustellen ist. Die künstlichen Mittel, durch die man den Zweck zu erreichen sucht, sind bekanntlich die //„camera lucida"// und die //„camera obscura"//, welch' letztere namentlich durch die Photographie in Anwendung kommt. Es fehlen solchen Darstellungen noch die Farben. Alle Schwierigkeiten und Hindernisse zusammengenommen, die der zeichnenden Thätigkeit auf Reisen entgegenstehn, formulirt der Verfasser seine Erfahrungen also: //„Pour mon compte je n'ai su trouver d'autre expédient que de photographier le paysage ou l'individu que j'avais sous les yeux, et pendant que ma glace s'impressione, d'indiquer rapidement sur un morceau de carton la couleur ou la teinte des diverses parties de mon dessin. Cela fait, s'il me reste du temps, je donne plus de fini à mon ébauche coloriée; si je n'ai pas le temps, j'emballe mes effets et je jette encore un coup d'oeil attentif sur mon sujet afin de bien le graver dans ma mémoire. J'emporte ainsi avec moi les éléments d'une représentation fidèle, à savoir: une empreinte photographique, qui développée me fournira les indications et les// ==== 277 ==== //détails nécessaires pour un dessin rigoureusement exact quant aux formes, et des notices très suffisantes pour le coloris, surtout si j'ai encore la mémoire fraîche de ce que j'ai vu".// Hinzugesetzt wird, dass der photographische Apparat in einem Kasten von 28, 17, 9 ½ cm. enthalten ist und dass die Platten 16 cm. auf 11 sind (bei Deyrolle fils, 35, rue du Quatre-Septembre, Paris). Das angegebene Verfahren lässt nichts zu wünschen übrig, doch darf bei der Beurtheilung nicht vergessen werden, dass die zur Verwendung kommenden trocknen Platten mit der Zeit deterioriren. Die Principien des topographischen Zeichnens sind mit grosser Klarheit auseinandergesetzt. Es sind zur Erläuterung die verschiedenen Arten der Bergzeichnung auf 3 Karten dargestellt, auf einer besonderen Tafel sind Proben der conventionellen Darstellung der Details im Terrain (Flüsse, Seen, Sümpfe, Culturen etc.), auf einer anderen die conventionellen Zeichen für noch kleinere Details wie Constructionen, Steinbrüche, Bergwerke, Brücken, Ankerplätze etc. gegeben. Das Schlusscapitel der „Préparation" bildet die [[Ausrüstung |Ausrüstung]] der Reisenden im Allgemeinen, ein Thema, über welches die Ansichten bekanntlich in ähnlicher Weise auseinandergehn, wie über das, was am besten schmeckt. Aber alle Reisenden werden in den meisten Fällen dem Ausspruch des Verfassers beitreten, welcher auf p. 121 sagt: //„Comme règle générale il faut bien se garder d'emporter avec soi ce qu'on peut se procurer tout aussi bien à destination ou au port de débarquement. Dût-on le payer deux fois plus cher, il y aura encore avantage."// Damit schliesst die „Préparation" und es beginnt der eigentliche zweite Theil des Buches („Observations et Recherches"), welcher den fünffachen Umfang des ersteren besitzt. Die Besprechung hat sich umgekehrt zu verhalten; denn die „Préparation" enthält bereits die Grundzüge des Manuel und lässt den Geist des Buches sowie die hohe Befähigung des Verfassers für seine Aufgabe mit grosser Schärfe erkennen; der zweite Theil giebt die Details der vorzunehmenden Arbeit; von diesen Kenntniss zu nehmen, ist Sache des Studiums und nicht der Besprechung. Es muss uns genügen, den reichen Inhalt anzugeben. Als Einleitung vorangeschickt sind die „Observations en général", welche mit den Worten beginnen: //„Le but que doit se proposer le voyageur est d'ajouter aux connaissances qu'on possède déjà sur la contrée qu'il visite"//. Dieser Zweck kann auf dreifache Weise gefördert werden: - Durch eigene Beobachtung. - Durch das Sammeln bereits gemachter, unbekannt gebliebener Beobachtungen. - Indem man Andere veranlasst, Beobachtungen anzustellen. Es folgen Regeln des allgemeinen Verhaltens, und mit Recht ist auf die umfassende Führung des Tagebuchs aufmerksam gemacht. Denn davon hängt unendlich viel ab. Drei Regeln, dünkt uns, sollten mit goldenen Lettern jedem Tagebuch vorgedruckt sein ==== 278 ==== - Ein Reisender hat kein Gedächtniss. - Nichts ist so gering, dass es nicht werth wäre, notirt zu werden. - Alle Notizen, die im Laufe des Tages genommen sind, müssen am Abend wieder durchgelesen und erweitert werden. Der Theil II. zerfällt in die beiden grossen Abschnitte: „Le Pays" pp. 140-489 und „Les Habitants" 490-762.\\ „Le Pays" enthält folgende Capitel: //„Configuration du pays"//, d. h. die topographische Thätigkeit des Reisenden. Es werden besprochen die Maassnahmen bei einer ersten Recognoscirung, die Prüfung und Rectification etwa vorhandener Karten; die eigentlich topographische Aufnahme; die [[Routen|Routen]]aufnahme beim [[Marsch|Marsch]], die fliegenden Aufnahmen, photometrische Aufnahmen, Herstellung des Nivellement, der Profile, Ansichten und [[panorama|Panoramen]]. Den Schluss bildet ein mit staunenswerthem Fleiss zusammengetragenes Capitel: //„Description"//, in welchem über 700 Ausdrücke der geographischen Terminologie erklärt sind, so vollständig, dass sich fast ein linguistisches Interesse daran knüpft. Es folgt in natürlichem Anschluss an die Topographie das Capitel //„Géologie"//, dessen Inhalt in „Géologie superficielle" und in „Géologie profonde" getheilt ist. Der Verfasser versteht unter Géologie superficielle die neueren Veränderungen der Erdoberfläche und die geologischen Phänomene der Gegenwart. Es wird die Aufmerksamkeit des Reisenden gelenkt auf die Indicien, welche die Hebung und Senkung der Küsten anzeigen, auf die Bildung der Ebenen und Depressionen, auf die Formen der Gebirge und den Zusammenhang der Form mit den zusammensetzenden Gesteinen. Es werden gewisse sogenannte Gesetze, die von Einzelnen als allgemein gültig aufgestellt wurden, der Prüfung an Ort und Stelle nahe gelegt: Das Gesetz über die Orientirung der Ketten (réseau pentagonal), über die Verschiedenheit der Neigung der beiden Seiten des Gebirges und das Gesetz, dass in zwei gleichlaufenden Ketten das niedrigste Joch des einen der höchsten Spitze des andern gegenüberliegt. Es wird endlich darauf hingewiesen, was bei Gletschern, Vulkanen, Thälern, Quellen und Wasserläufen zu beachten ist. Die //„Géologie profonde"// giebt vor Allem Anweisungen, was der Reisende zu thun hat, um eine geologische Karte und geologische Profile zu entwerfen, und betont die Wichtigkeit der Ersteigung hoher Gipfel; denn dort allein kann man sich die Aufschlüsse verschaffen, welche der //„coup d'oeil géologique"//, das geologische Divinationsvermögen liefert. Es folgen dann, durch sehr viele Zeichnungen unterstützt, Auseinandersetzungen über Schichtenfolge und geschichtete Gesteine, und die für die Bestimmung des Alters der Schichten leitenden Principien. Das folgende Capitel trägt die Ueberschrift: //„Sol"// und zerfällt in die beiden Theile „Sol industriel" und "Sol agricole". Es behandelt den uns unmittelbar zugänglichen Theil der Erde in Bezug auf den Nutzen, den die Menschen daraus für ihr Dasein ziehen und bildet so zu sagen den handelsgeographischen Abschnitt des Buches. Die Untersuchung lenkt sich auf ==== 279 ==== das Vorhandensein und die Ausdehnung der natürlichen Reichthümer, wie Baumaterial, Fabricationserden (Porzellan etc.), Marmor, Kohlenlager, Petroleum, Minerale und Erze, Guano, Holz; alsdann auf die Ausdehnung des cultivirten und culturfähigen Bodens. Wir wollen in Bezug auf dieses Capitel bemerken, dass im Allgemeinen nur derjenige Reisende, der lange Zeit in einem Lande weilt und zu seinen eigenen Untersuchungen kritisch untersuchte Informationen fügen kann, brauchbare Angaben wird liefern können. Hieran schliesst sich das Capitel //„Climat"//. Die Ueberschrift ist vielleicht glücklicher gewählt, als wenn statt dieser „Météorologie" gesetzt wäre. Denn Meteorologie ist die Vereinigung aller Climate zu einem in seiner Gesetzmässigkeit erkannten Ganzen. Der Reisende aber, eben weil seine Thätigkeit eine locale ist, muss sich begnügen, die Daten zusammenzubringen, auf denen die Eigenthümlichkeit eines bestimmten Klimas beruht. Auch hierin wird er meist nur sehr Unvollkommenes leisten können, weil die Zahlen welche diese Eigenthümlichkeiten ausdrücken (Wärme, Luftdruck, Feuchtigkeitsgehalt, Bedeckung, Windrichtung etc.) nur durch langjährige systematische Beobachtungen zu erhalten sind. Keine Thätigkeit auf Reisen wird also geringere Befriedigung gewähren, als die auf das Klima gerichtete. Dennoch behält sie ihre grosse Wichtigkeit, weil sie den doppelten Vergleich möglich macht, einmal mit gleichzeitig an andern Orten, und dann mit gleichortig zu andern Zeiten angestellten Beobachtungen. Das Capitel „Climat" enthält dementsprechend Anweisungen über Beobachtung der Temperatur, der Durchsichtigkeit der Luft, des Feuchtigkeitsgehalts, der Verdunstung, der Niederschläge, des Luftdrucks, der Winde und Gewitter, der Luftspiegelung, der Nebensonnen, der Dämmerung, des Zodiakallichtes, der Polarlichter, des Flimmerns der Sterne, der Sternschnuppen und Feuerkugeln. Auch ist ein Schema für das Eintragen der Beobachtungen beigefügt. Die beiden letzten Capitel des „Pays" beschäftigen sich mit Flora und Fauna; sie sind mit grossem Takt geschrieben, eben weil sie den Unterschied betonen, den der Reisende im Vergleich zum Botaniker und Zoologen einzunehmen hat; die grossen Züge aufzufassen, darauf kommt es an. In beiden Kapiteln sind Instructionen über die Herstellung von Sammlungen enthalten. Der zweite Abschnitt der „Observations et Recherches" fasst unter dem Titel //„Les Habitants"// Alles das zusammen, was der Reisende zu beobachten hat, um die Bewohner des besuchten Landes bezüglich ihrer physischen Merkmale, ihrer [[Sprachen|Sprache]], ihrer Lebensweise, ihrer socialen Einrichtungen, ihrer religiösen Vorstellungen und ihrer Beschäftigungen zu charakterisiren. Dem entsprechend ist der reiche Stoff in folgende Titel zerlegt: Einwohnerzahl. Racen und Typen. Sprache und Dialekte. Sitten und Gebräuche. Glauben und Religion (Idées, croyances et religion). Kleidung und Schmuck. Ernährung. Wohnstätten. Familie, Gesellschaft, politische Organisation. Das Recht und das Eigenthum. Sociale und staatliche ==== 280 ==== Institutionen. Industrie. Handel. Literatur. Künste und Wissenschaften. Urgeschichte und Geschichte. Wir müssen uns, schon des zugemessenen Raumes wegen, auf die blosse Inhaltsangabe beschränken und dürfen auch hinzusetzen, dass ein Theil der hier behandelten Materien bereits so entwickelte Zustände voraussetzt, dass ihr Studium den Specialforschern überlassen werden wird. Wir wollen nur die durchsichtige Zusammenstellung der Racenmerkmale hervorheben, die in 4 Kategorien getheilt werden.\\ Die anatomischen (Schädelbildung und Dimensionen des Knochengerüstes).\\ Die physischen (Hautfarbe, Form, Stellung, Farbe des Auges, Haar-und Bartwuchs).\\ Die physiologischen (Art des Functionirens der Organe, Blutcirculation, Athmung, Verdauung).\\ Die physiognomischen (Gesichtsausdruck, Gesten, Haltung und Gang).\\ Die Sprache findet also keine Stelle unter den unveräusserlichen Merkmalen: //„La langue ne s'hérite pas, elle s'apprend".// Doch verwahrt sich Herr Kaltbrunner gegen irrige Auffassungen, indem er das Capitel „Langue et Dialectes" mit dem Satz beginnen lässt: //„En refusant d'admettre la langue comme caractère déterminatif de race, je n'ai point entendu lui contester toute valeur ethnologique".// Es schliesst sich daran die Rolle, welche die Sprache für die historische Entwickelung eines Volkes spielt. Wir würden das Studium der Sprache eines Volkes, namentlich da, wo sie von fremden Einflüssen wenig berührt worden ist, stets auf das Eindringlichste empfehlen; sie ist die Pforte, die zur Erkenntniss des Geisteslebens eines Volkes führt. Wir hoffen, dass es uns der Herr Verfasser nicht als einen kleinlichen Standpunkt auslegen wird, wenn wir seine Aufmerksamkeit auf eine Stelle (p. 516) richten, worin es bezüglich der Mischlinge heisst: //„l'on dit, p. ex., tierceron, quarteron, quinteron etc. pour indiquer que les rejetons ont un »tiers", un "quart" on un „cinquième de sang blanc".// Wir wollen uns hier weniger gegen die Bezeichnungen aussprechen, die nicht richtig sind (beispielsweise hat ein Quarteron nicht 1/4, sondern 3/4 weisses Blut), als vielmehr gegen die Unmöglichkeit, dass es überhaupt Mischlinge geben könne, welche 1/3 oder 1/5 weisses Blut besitzen. Sind uns unvermischte Weisse und unvermischte Farbige gegeben, so können wir dieselben bezeichnen als zwei Kategorieen, welche bezüglich 1/1 und 0/1 weisses Blut besitzen. Indem sich diese innerhalb ihrer Kategorie oder unter einander mischen, entstehen solche, deren Individuen bezüglich 2/2, 1/2, 0/2 weisses Blut besitzen; die hieraus hervorgehende Generation zerfällt in Kategorieen, welche bezüglich 4/4, 3/4, 2/4, 1/4, 0/4, die darauf folgende in solche, welche bezüglich 8/8, 7/8, 6/8, 5/8, 4/8, 3/8, 2/8, 1/8, 0/8 weisses Blut besitzen u. s. f.; wir brauchen das Zahlenspiel nicht weiter zu treiben, um das Gesetz zu zeigen, welches aussagt: dass der Bruchtheil weissen Blutes in einem Mischling sich im Nenner stets als eine Potenz von 2 (20 = 1, 212, 224, 23 = 8, 24 = 16 etc.) ausdrücken muss. Die Brüche 1/3 und 1/5 sind also eine Unmöglichkeit. ==== 281 ==== Als Anhang werden dem „Manuel" einige nützliche Tabellen beigegeben. Die Ausstattung ist tadellos, die 24 Tafeln und 280 Figuren sind mit eben so viel sachlichem, wie künstlerischem Verständniss entworfen. Wir schliessen die Besprechung mit dem Bedauern, dass es uns, trotz scheinbarer Ausführlichkeit, nicht vergönnt ist, noch genauer auf den Inhalt des Buches einzugehen. Wenn die ausführlichere Besprechung sich auch gegen diese und jene Einzelheit hätte wenden müssen, so würde sie doch andererseits die ungewöhnliche Befriedigung, mit der wir das Werk aus der Hand legen, besser begründet haben. Kaltbrunner's „Manuel du voyageur" wird auch dem erfahrensten Reisenden willkommen sein, dem angehenden Reisenden wird es unschätzbare Dienste leisten, Allen denen, die der Entwickelung der [[geographie_und_reisen|Geographie]] folgen und deren Auge mit Theilnahme auf der Schöpfung ruht, ein würdiger Begleiter sein. P. G. [=Paul Güssfeldt?, ab 1884 Herausgebers der Vereinsmitteilungen]